Enthusiasmuskolumne??

Vertrauen Sie Mr. Flores aus Texas!

Diesmal: Der schönste Kalender der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Hand aufs Herz: Die Kalender, die man um den Jahreswechsel vom Rauchfangkehrer oder von Unternehmen geschenkt bekommt, die einem für die gute Zusammenarbeit im letzten Jahr danken (die man aber bloß vom Hörensagen kennt), kann man ansatzlos ins Altpapier schmeißen. Das heißt, man könnte das tun, müsste man als zwanghafter Mülltrenner nicht davor noch die Spirale entfernen, für die man dann auch garantiert noch eine Beißzange benötigt. Ein schlechtes Gewissen gibt's trotzdem gratis, schließlich hat sich da wer was gedacht und hat sich bemüht und wird wieder einmal die Arbeit anderer geringgeschätzt ? Man muss die Arbeiterkammer Wien also schon sehr dafür loben, dass sie einem das alles erspart. Deren "Kalenderedition 2011" ist nämlich nicht bloß unpeinlich, sondern schlichtweg großartig.

Schon das packpapierbraune Äußere nimmt einen sofort für das Produkt ein: saubere Typo, dezentes Logo, quadratisches Foto. Zu sehen: Alfred D. Tartea. Herr Tartea ist Jahrgang 1946, Verwaltungsinspektor in Liberia und verdient im Monat 12,50 Euro. Elf Männer und zwei Frauen in ihren Amtsstuben zeigt die Serie "Bureaucratics" des niederländischen Fotografen Jan Banning; wobei die Amtsstube mitunter aus einem einzigen Tisch besteht, von dem aus einen etwa Nadja Ali Gayt aus dem Jemen durch den schmalen Schlitz ihrer Burka aus ansieht. Bolivien, China, Frankreich, Indien, Russland und die USA sind die anderen Länder, in denen die porträtierten Polizei-, Steuer- und Verwaltungsbeamten tätig sind und nebenher ein bisschen Gemüse verkaufen, um ihr Gehalt aufzubessern.

Dergleichen hat Rudy Flores (Monatsgehalt: 5000 Dollar) kaum nötig. Man hat den Eindruck, dass der Texas Ranger jeden Cent wert ist. Er hat einen Mach-keinen-Quatsch-Hut auf, zwei weitere Hüte und zwei Bowiemesser hängen an der Wand. Wer umgekehrt Rudy Flores über seinem Schreibtisch hängen hat, braucht sich vor fast gar nichts zu fürchten.


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