Das Entlein kehrt zurück als Schwan, es folgt Romanze, Schwank und Melodram

Feuilleton | Joachim Schätz | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Es beginnt wie schlechte Bahnhofsbelletristik: Im morgenroten Gegenlicht hackt ein Jüngling mit nacktem Oberkörper Holz. Das passt. Immerhin wird die Farm, für die der Posterboy arbeitet, von einem Bestsellerautor als Urlaubsrefugium für Schriftsteller betrieben. Während die vernachlässigte Gattin des Meisters den Laden schmeißt, sitzen die zahlenden Gäste auf der Veranda und feilen an Literaturabhandlungen und Lesbenkrimis.

Die britische Provinz ist in Stephen Frears' Verfilmung von Posy Simmonds' wöchentlichem Strip "Tamara Drewe" vor allem ein Umschlagplatz für Fantasien: Wenn die Kreativen aus der großen Stadt im beschaulichen Ewedown einfallen, um Ideen zu tanken, dann setzen sie ihrerseits in der Dorfbevölkerung allerhand Projektionen und Energien frei. Die Grafschaft Dorset, wo das fiktionale Dörfchen liegt, ist prädestiniert für solche Reibungen (hier erwarben schon Madonna und Noel Gallagher Landsitze).

Tamara Drewe (Gemma Arterton) ist Titelfigur, weil sie es geschafft


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