Ein überösterreichischer Charakter

Feuilleton | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Am 5. Jänner 2011 feiert der Pianist und Schriftsteller Alfred Brendel seinen 80. Geburtstag

Gratulation: Armin Thurnher

Der Pianist Alfred Brendel ist sozusagen ein idealtypischer Wiener, denn er ist nicht hier geboren und wohnt auch nicht mehr hier. Er hat aber lange genug hier gelebt, mehr als 20 Jahre. Das Wien der 50er- und 60er-Jahre sei, so Brendel, eine gute Stadt gewesen, um im Protest darin zu leben.

Er ist auch ein idealtypischer Österreicher, nämlich einer, der sein Österreichischsein auf übernationale oder besser noch, auf un-nationale Weise darstellt. Die Nation bedeutet ihm nichts, der Nationalismus ist ihm fremd, ja zuwider. Er kann Österreicher also höchstens auf eine gewissermaßen dadaistische Weise sein, zugleich involviert und distanziert.

Moderne und klassisches Repertoire

Das gern beschworene größere Österreich war bekanntlich nie eine Nation, vielleicht nicht einmal eine Idee, sondern ein durch die Dynastie zusammengewürfeltes Vielvölkergemisch. Aber in seinen


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