Ein Stimmenimitator in den Slums

Feuilleton | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Der jüngste Roman von António Lobo Antunes ist eine überwältigende Polyphonie nie gehörter Stimmen

Würdigung: Sigrid Löffler

Mit Österreich hat Portugal eines gemeinsam: Beide Länder haben eine große Zukunft hinter sich. Alles erinnert die Kleinstaaten von heute ständig an die imperiale Größe von einst - und das schmerzt. Die Dauerkränkung durch die eigene Bedeutungslosigkeit pariert Österreich eher diffus, schwankend zwischen Selbstüberhebung und Selbstironie; Portugal hingegen eher mit Melancholie.

Wenn im kollektiven Bewusstsein die reale und die imaginäre Bedeutung nicht übereinstimmen, kann Kunst gedeihen, denn Kunst - Literatur zumal - zehrt von solchen Inkongruenzen.

Der schwermütige Chronist von Portugals Niedergang in Resignation und Stillstand heißt António Lobo Antunes. In bisher 19 Romanen hat der Großbürgersohn, Arzt und Psychiater aus Lissabon, Jahrgang 1942, Portugals zähe Agonie nach dem Ende des Kolonialreichs beschrieben. Als Militärarzt im Angola-Krieg


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