Ins Mark??

Blässe oblige

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter

Kälte, Stille, Schnee von gestern. Das erste Zehnerjahr geht so zu Ende, wie es sich auch rundherum angefühlt hat. Gut, zwischendurch, rund um die Landtagswahlen im Herbst haben die beiden großen Landesparteien mit millionenschweren Wahlkampfbudgets Gefechtshitze, Ideengetöse und Neubeginn inszeniert. Und den Moment, als sich die ÖVP am Wahltag vor laufenden Kameras und zu einem Zeitpunkt, als schon klar war, dass sie Zweite bleiben würde, als jubelnde Siegerin in Szene setzte, muss man wohl als Höhepunkt postdramatischen Polittheaterschaffens werten.

Seither regiert die Blässe. Die "Reformpartnerschaft", auf die sich ÖVP und SPÖ nach der Wahl verständigt haben, wird in der real existierenden Bundesländerdemokratie als Cocooning gelebt, kaum etwas von Substanz dringt nach außen. Bloß die üblichen Blasen in Sachen Standort- und Egomarketing, provinzielles Internationalisierungsgerede und dumpfe Sparrhetorik. Den Grünen war zu verdanken, dass zumindest die Kommandoaktion "Volle Kanne", mit der ÖVP und SPÖ 2,5 Millionen Euro in die im Wahlkampf geleerten Parteikassen fließen ließen, öffentlich wurde. Von wegen Reform: Schneematsch von gestern, nicht zu knapp. Geändert hat die Veröffentlichung nichts, im Steirerland geht alles durch, sogar Geheimpolitik. Nikolaus Luhmann hat freilich anderes gemeint, als er Vertrauen als "Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität" definierte: "Vertrauenswürdig ist, wer bei dem bleibt, was er bewusst oder unbewusst über sich selbst sichtbar gemacht hat." Da können wir ja getrost darauf vertrauen, dass alles bleibt, wie es war. Ein gutes neues Jahr!


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