Selbstversuch

Das geht vorbei, das ist wie Barbiespielen

Kolumnen | Doris Knecht? | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Einmal habe ich Nein gesagt. Die Sonia hat gesagt: Kommts doch mit, ich kann euch Karten besorgen, das ist total nett, den Mimis wird das gefallen. Ich habe gesagt: Nein, nie im Leben, außerdem geht das an dem Tag terminlich nicht. Die Sonia hat gesagt: Na, schade. Die Mimis kippten jedes Mal mehr in "Helden von Morgen", nur den Chris fanden sie deppert, also der Chris, iiiii, echt. Bei der "Unschuldsvermutung" im Rabenhof habe ich dann die Anja getroffen, die hat gesagt: Kommts doch einmal zur Generalprobe, am Nachmittag, ich besorge euch Karten, das wird den Mimis gefallen, das ist total nett. Da habe ich gesagt, okay, es ist Advent, ich habe tüchtig Miese-Mutter-Defizite wettzumachen, ich schenke das den Mimis und ein paar von ihren Freundinnen, dass ich mit ihnen da hin gehe, okay, wir kommen.

Wir sind am Freitagnachmittag auf den Küniglberg gefahren. Die Mimis und ihre Freundinnen waren total aufgeregt und sammelten im Foyer schon einmal Autogrammkarten ein. Wir hatten prima Plätze, ganz nah an der Bühne. Während der Show brüllten die Mädels und trampelten und winkten mit ihren Autogrammkarten, und ich fand es ziemlich peinlich. Aber ich war auch gerührt, denn zwischendurch saßen sie ganz still und schauten und hatten genau dieses Kinderaugenstrahlen im Gesicht, wegen dem man überhaupt Kinder bekommt. Als es vorbei war, kam die Anja, brachte noch mehr Autogrammkarten und sagte, so jetzt gehen wir nach hinten.

Zuerst holten sie sich noch schnell ein Autogramm von der Doris, und ich durfte danach den Edding nur am Ende anfassen, weil weiter vorne hatte ihn die Doris berührt. Hinten trafen wir zuerst den Thomas, der mit dem Falco in der Band gespielt hat, was das eine Mimi, das gerade eine Falco-Phase durchsteht, sehr beeindruckte, und es kam bei den Mimis nicht schlecht an, dass der Mann ihre Mutter busselte. Dann kam der Mario aus der Jury und großes Hallo und weiteres Gebussel, was der Reputation der Mutter auch nicht schadete. Woher kennst du den??? Na, von früher halt. Und dann kamen der Jonathan und der Lukas und die Sara und die Katharina und die Conny und der Chris, und alle schrieben lieb und geduldig Autogramme für sechs Neunjährige, vor allem der Chris, der, wenn es nach den Mimis geht, jetzt unbedingt gewinnen muss.

Ich bin dort im Gang vom Küniglberg gestanden und habe mir angeschaut, wie meine Kinder begeistert lauter Sachen machen, die mir peinlich sind und die ich eigentlich ablehne. Und ich ließ sie, weil das ist wie Barbiespielen, das geht von selbst vorbei. Und alle waren so freundlich und so süß zu Kindern, und jetzt bin ich total korrumpiert. So leicht ist das.

Und das Letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass ich dem einen Mimi auf dessen nachdrücklichen Wunsch eine türkisfarbene Mütze mit den Buchstaben H E L D E N gestrickt habe. Mhm. Frohes neues Jahr.


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