Fragen Sie Frau Andrea

Wünsche an die Jahresendpersonen

Kolumnen | aus FALTER 51/10 vom 22.12.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Fragende!

Das Jahr senkt sein müdes Haupt, die Straßen glitzern im Eis, Vermummte sitzen in Bim und U, sie duften nach den feinen Gewürzen der Glühweine, die ihre Kehlen gewärmt und ihre Seelen getränkt haben. Die wackeren Wanderer studieren Wunschlisten, Kontoauszüge und Kassenbelege. Auf ihren schlotternden Knien lastet schwer und stolz der Geschenke Segen für die Lieben daheim und in den rauchigen Bureaus unserer brummenden Unternehmen.

Am Ende des Falter'schen Dienstjahres macht die Kolumne eine Ausnahme, sie wendet sich mit einer kleinen Wunschliste an das Salzamt. In den Räumlichkeiten dieser altösterreichischen Institution finden sich an den kürzesten Tagen jeden Jahres ein paar lichtscheue Gestalten ein, die sich hauptberuflich mit dem Dezemberausklang beschäftigen: eine junge Engelsdame im goldenen Kleid, blond die Locken, die Krone im Haar. Rot und weiß ist das Wams des alten Mannes mit dem assangefarbenen Bart, er brummt Ho und Ho und dann nochmals Ho. Der elegante Herr im englischen Tuch duftet nach Penhaligon's feinem Cologne. Genagelt sind seine Schuhe, Konfetti schneit ihm von Schultern und Scheitel. Der Herr mit dem spätaristokratischen Habitus ist derangiert vom Sprudel der Witwe Klicko. Monsieur ist uns Brights als Jahresendperson bekannt. Die letzte Kolumne des Heftes ist diesmal auch die letzte dieses Jahres. Sie richtet sich traditionell mit einer kleine Liste von Wünschen an diese drei Herrschaften.

Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson!

Ich weiß, ihr seid machtlos und scheu. Ich weiß, ihr werdet meine Wünsche zu den anderen in die Lade legen. Aber ich bin so hartnäckig wie wohlgemut, so unbeirrt wie naiv. Meine Lieben! Hier meine Wunschliste für das Jahr 2011. Möget ihr doch bitte Folgendes in Erfüllung gehen lassen:

1. Die Wiedereinführung der Solidarität. 2. Das bedingungslose Grundeinkommen. 3. Die Trennung von Kirche und Staat. 4. Die Entscheuchung Kärntens. 5. Die Entkärntnerung Österreichs. 6. Die Entorfung des ORF. 7. Ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften. 8. Das Zigarettenrauchverbot. 9. Die Einführung von 24-Stunden-Delis nach New Yorker Vorbild. 10. Heiße Eislutschker für alle.


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