Kritiken

Es ist ja Fasching: neue Komödien in der Burg

Lexikon | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Das Burgtheater gibt dem Affen Zucker: Am Ende des Jahres inszenierte Direktor Matthias Hartmann zwei Komödien, in denen die Stars des Hauses ungestraft die Rampensau rauslassen dürfen. In Shakespeares "Was ihr wollt“ richtet Hartmann den Fokus ganz auf die burlesken "Rüpelszenen“ des Stücks, in denen eine illustre Runde komischer Vögel der Kunst des höheren Blödsinns frönt. Nicholas Ofczarek sieht aus wie Franz Suhrada und gibt einen hochprozentigen Sir, der sich an seinem Brandyglas festhält; Michael Maertens ist ein rührender Ritter von der trotteligen Gestalt, Maria Happel eine herrlich vulgäre Wuchtbrumme von einer Bediensteten und Sven-Eric Bechtolf ein maliziöser Narr im Smoking. In der dankbaren Rolle des bigotten Malvolio wiederum punktet Joachim Meyerhoff durch zurückgenommenen Irrsinn. Der an Monty Python geschulte, sehr liebevoll inszenierte Witz geht allerdings auf Kosten der vertrackten Liebesgeschichte, von der das Stück eigentlich erzählt; sie findet eher in den schönen Shakespeare-Songs statt, mit denen der Musiker Karsten Riedel den Abend begleitet, als auf der Bühne.

Friedrich Schillers Komödie "Der Parasit“ (eine Bearbeitung nach französischer Vorlage) hat Matthias Hartmann schon 2005 in Bochum inszeniert, die Produktion wurde anschließend auch nach Zürich übernommen. Die Wiener Fassung allerdings firmiert als Neuinszenierung; immerhin gibt es ein neues Bühnenbild (einen Türen-Paravent von Johannes Schütz) und eine neue Besetzung - nur Michael Maertens als intriganter Hochstapler war schon damals dabei. Und wie Maertens sich buchstäblich als Mensch ohne Rückgrat über die Bühne windet, ist die dann auch Hauptattraktion einer Inszenierung, der man insgesamt anmerkt, dass sie eher nebenbei entstanden ist. WK

Burgtheater, Di 19.00 ("Was ihr wollt“) bzw. Do 19.30 ("Der Parasit“)


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