Kritik

Meisterklasse: Kylián und seine Schüler

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Der neue Ballettabend an der Staatsoper ist dem alten Gewerbe der Interpretation klassischer Musikstücke gewidmet. Allerdings gab es eine stilistische Vorgabe: das Schaffen des Choreografen Jirí Kylián, des langjährigen künstlerischen Leiters des Nederlands Dans Theaters (NDT). In "Schritte und Spuren“ folgt eine neue Generation - Kyliáns tschechischer Landsmann Jirí Bubenícek und die ehemaligen NDT-Tänzer Jorma Elo und Paul Lightfoot/Sol León - seinem Beispiel. Der Abend beginnt mit Bubeníceks "Le Souffle de L’Esprit“, einer leichtfüßig vorgetragenen Hommage des Choreografen an seine Großmütter, getanzt vor einer Projektionsleinwand mit Ausschnitten aus Werken Leonardos. Das erinnert mehr an eine kunstgeschichtliche Vorlesung, als dass es sich mit dem Bühnengeschehen verbinden ließe.

Die Tänzer Denys Cherevychko und Masayu Kimoto bekommen dafür im dritten Stück "Skew-Whiff“ gemeinsam mit Mihail Sosnovschi doch noch ausgiebig Gelegenheit, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Lightfoot und León choreografierten Rossinis Ouvertüre zur "Diebischen Elster“ als schwung- und humorvolle Skizze, in der Technik und Körper der Tänzer in Szene gesetzt werden. Mit den reduzierten Kostümen wirken sie wie befreite Marmorskulpturen, die von unbändiger Lebensfreude durchdrungen sind. Dazwischen verglüht "Glow-Stop“ von Jorma Elo zur Musik von Mozart und Philip Glass ein wenig. Von Meister Kylián selbst hat Ballettchef Manuel Legris zum Abschluss "Bella Figura“ aus dem Jahr 1995 ausgewählt. Diese Komposition in Rot und Schwarz erfordert den Blick auf Details. Immer wieder werden schwarze Vorhänge herabgelassen, um Ausschnitte und die an diesem Abend insgesamt dominierenden figürlichen Spielereien zu akzentuieren.

Staatsoper, Sa 19.30, Di 19.00, Do 19.30


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