Gefundene Nazibilder und ihre Dekonstruktion

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Kameriæ und Lecomte in der Camera Austria

Šejla Kameriæ stammt aus Sarajevo, sie thematisierte in ihrer Kunst vielfach die Erfahrungen des Bosnienkriegs. tatiana Lecomte kommt aus Bordeaux, sie lebt seit einiger Zeit in Österreich und beschäftigt sich vor allem mit konzeptueller Fotokunst. Beide stellen nun gemeinsam in der Camera Austria aus. Trotz sehr unterschiedlicher Biografien zeigen sie dabei jeweils Found-Footage-Arbeiten mit NS-Bezügen.

Kameric Serie "Embargo till 11" basiert etwa auf Sammelkarten, die 1940 von der Austria Tabakwerke AG auf Zigarettenschachteln ausgeliefert wurden. Die insgesamt 314 Sujets sollten dann in das bereitgestellte Sammelalbum mit dem Titel "Wie die Ostmark ihre Befreiung erlebte" geklebt werden - also Panini für Nazis. Die bosnische Künstlerin kombiniert die Bilder dabei mit sentimentalen Liedtexten, etwa von Leonard Cohen. Es geht um Fragen der kollektiven Erinnerung.

Lecomte präsentiert gleich mehrere Arbeiten: einerseits Reproduktionen aus einem dermatologischen Lehrbuch der Neunzehnvierziger, die zwangsläufig nach den Hintergründen der gezeigten Fotos fragen lassen. Aber andererseits auch Filmsequenzen, die von Berührungen handeln und die die französische Künstlerin aus gefundenem Fotomaterial zusammengefügt hat. Eine ältere Weiße malt etwa einem schwarzen Kind auf die Hand. Die Dame ist niemand Geringerer als NS-Filmerin Riefenstahl.

Camera Austria, Do 18.00 (Eröffnung)


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