Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Es macht jetzt natürlich keine gute Stimmung, und es fällt mir (trotz akuter psychotroper Intoxikation durch Fisherman’s Friend Salmiak Forte) auch keineswegs leicht, die Sache aufs Tapet zu bringen, aber die Wahrheitsliebe, die sich dieses Blatt immer auf die Fahnen geheftet und an den Hut gesteckt hat, gebietet es, vor den katastrophalen Missständen im eigenen Haus nicht die Augen zu verschließen. Die sind, betriebspsychologisch betrachtet: der absolute Super-GAU: Nichts ist, wie es war; nichts ist, wo es hingehört; kein Stein ist auf dem anderen geblieben. Die Menschen in der Redaktion irren verstört durch Räume, von denen niemand zu sagen weiß, wozu sie da sind. Es ist Surrealismus in 3D, die nervenzerfetzend real gewordene Umsetzung des Satzes "Ich glaub’, ich bin im falschen Film.“ Das Klopapier befindet sich unter der Treppe in den Satz (also known as "Staircase to Heaven“), der Würfelzucker lagert im Klavierstimmerzimmer, die Kaffeemaschine steht im Aerobic-Raum. Bloß der Chefredakteur ist genau dort, wo er hingehört: im Urlaub.

Verglichen mit den Ursachen dieses ubiquitär gewordenen Wahnsinns ist diese Symptombeschreibung allerdings ein Sonntagsspaziergang. Der Grund für die totale Desintegration des innerbetrieblichen Raum-Zeit-Kontinuums ist das offenbar von ganz oben angeordnete "Re-Design“, sprich: die rückstandslose Zerstörung der Feng-Shui-Ecke. Dort, wo sie einst war, hängt schlaff ein Kabel aus der Wand - so traurig anzusehen wie ein erektil dysfunktionaler Ameisenbär. "Instandsetzungsarbeiten“ sollen folgen. The Horror. The Horror!!


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