Jetzt die Welt verlassen müssen

Politik | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Zehn Jahre länger leben, dafür hätte Bruno Kreisky alles gegeben. Ein Essay über die letzte Zeit des großen Kanzlers, der am 22. Jänner 100 Jahre alt geworden wäre

Würdigung: Helene Maimann

Am Ende seines Lebens hört Bruno Kreisky, wie die Menschen in Berlin auf der Mauer tanzen, erkennen kann er sie nicht mehr auf den Fernsehbildern. Er hört zehn Tage später, wie Hunderttausende auf dem Prager Wenzelsplatz mit ihren Schlüsseln in den hocherhobenen Händen das Ende des kommunistischen Regimes einläuten. Er hört einen Monat später vom blutigen Ende des rumänischen Tyrannen Nicolae Ceaus¸escu. Der Kommunismus, den er ein Leben lang verabscheut hatte, ist in sich zusammengebrochen, fast lautlos. Kreisky hat mehrere Schlaganfälle hinter sich, seine Stimme ist brüchig, er bewegt sich nur mühsam, ist auf ständige Hilfe angewiesen. Sein Lebensfluss versickert, und plötzlich ist Revolution in Osteuropa. Eine neue Zeit bricht an, niemand weiß, wohin sie führen wird, aber er


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