Mediaforschung  

Herr Hofmann, warum ärgern Sie Leute am Telefon?

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Kluger | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Entschuldigen Sie, heißen Sie zufällig Google? Gugl? Oder so ähnlich? Dann haben vielleicht auch Sie vor kurzem einen Scherzanruf erhalten. Telekom Austria beauftragte die Agentur Demner, Merlicek und Bergmann, eine neue Radiowerbung für die A1-Tochterfirma Bob zu ersinnen. Billigmobilfunker Bob bietet einen neuen Datentarif an, quasi "Google fürs Handy“.

Menschen, deren Nachname wie die Suchmaschine klingt, wurden von der Werbeagentur angerufen und aufgefordert, "Treffer“ zu liefern - am besten schnell. "Sie müssen doch irgendetwas finden“, sagt der Anrufer genervt, der sich nochmals vergewissert, ob er wirklich bei "Google“ sei.

Kein Wunder, dass viele Gesprächspartner auflegten. Die Suchanfragen von Demner, Merlicek und Bergmann waren ziemlich versaut. "Paris“, "naked“, "dirty“, "Bildersuche, hochauflösend“ lautete eine Anfrage. "Das ist wohl recht eindeutig. Und danach wird im Internet vermutlich nicht gerade selten gesucht“, sagt Creative Director Alexander Hofmann. Jeder wisse bei solchen Schlagwörtern, um was es geht. Wichtig sei es, bei den Hörern Geschichten im Kopf entstehen zu lassen. "Anwalt, Brasilien, Auslieferung“ - da kann man schon mehr hineininterpretieren“, meint Hofmann.

Die Scherzanrufe wurden von der Agentur aufgezeichnet. Laut Creative Director seien sie inhaltlich nicht verändert worden. Derzeit laufen die Spots im Radio.

Natürlich mussten zahlreiche Versuche unternommen werden, bis sich Hörenswertes fand. "Ausschlag, Pusteln, Schritt“, lautete eine weitere wenig appetitliche Anfrage. Wenigstens forderten hier die Scherzanrufer nur eine "normale Websuche, keine Bilder“ an. Man muss schließlich nicht alle Fotos sehen, die einem Google liefert.


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