Technik  

Diese Waage visualisiert die eigene Wampe

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

prüfbericht: thomas vaŠek

Wie Sie wissen, haben die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern. In praktischer Hinsicht kann man auch Roland Barthes’ Betrachtungen über Alltagsdinge getrost vergessen. Hingegen sollten wir aufhorchen, wenn ausgerechnet ein französisches Start-up-Unternehmen die "Revolution von Gegenständen des täglichen Lebens“ verkündet. Wie darf man sich das vorstellen? Rotten sich demnächst die Stabmixer auf den Straßen zusammen? Brotmesser aller Länder, vereinigt euch? Nicht ganz. Aber die Vision von Withings ist immerhin, Alltagsdinge aus der unwürdigen Knechtschaft des Physischen zu befreien - natürlich mithilfe des Internets. Mit einer Personenwaage fing es an. Per WLAN schickt die Waage (129 Euro bei Amazon) die gemessenen Werte von bis zu acht Personen ins Netz beziehungsweise über eine App aufs iPhone oder iPad. Die Virtualisierung der Wampe - eigentlich eine lustige, um nicht zu sagen revolutionäre - Idee. Auf der CES in Las Vegas hat Withings nun eine neue Errungenschaft präsentiert: ein internetgestütztes Babyfon. Damit kann man sein schlafendes Kind per Nachtsichtoptik übers iPhone beobachten. Das Gerät misst nicht nur Temperatur und Luftfeuchtigkeit, man kann dem lieben Kleinen jetzt auch vom Wirtshaus aus ein Einschlaflied vorsingen. Seltsam, dass Revolutionen anscheinend immer in Überwachung ausarten. Und bedenken Sie eines: Die Revolution frisst bekanntlich ihre eigenen Kinder!

Thomas VaŠek ist Journalist und Buchautor in München


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