Eine "Volksoperette“ als Film: Elisabeth Scharang setzt auf Konfrontationen

Steiermark | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Happy End gibt es keines. Und am Ende des Filmes ist nur noch sie da, die überlebende Zeitzeugin aus einem ostösterreichischen Dorf, eine mittlerweile alte Frau, natürlich mit Kopftuch, die vor ihrem Bauernhof Dahlien schneidet und vor allem nachdenklich schweigt. Wir sind in der Gegenwart angekommen. Dabei hat sich hier im Laufe der Zeit, abgesehen von ein wenig Plastik, äußerlich praktisch nichts verändert.

Noch gibt es sie, die letzten Zeitzeugen, die von einer finalen und in Ostösterreich weitum sichtbaren Wahnsinnsaktion des NS-Terrorregimes berichten: Anfang April 1945 ließ SS-Chef Heinrich Himmler jüdische Zwangsarbeiter aus Ungarn Richtung Mauthausen treiben. Begleitet wurden sie von lokalen Bewachern, viele wurden kurz vor Kriegsende noch exekutiert.

"Vielleicht in einem anderen Leben“ basiert auf einer "Volksoperette“ von Silke Hassler und Peter Turrini, die 2007 im Stadttheater Klagenfurt uraufgeführt wurde. Die Handlung spielt in einem kleinen Dorf, in dem einer dieser Todesmärsche kurzfristig Halt macht. Scharang liefert in ihrer Verfilmung eindrucksvolle Bilder - für die Kamera zeichnet der prominente französische Kameramann Jean-Claude Larrieu verantwortlich. Sie konzentriert sich auf Fragen der Zwischenmenschlichkeit und setzt auf den großen Culture-Clash zwischen der ostösterreichischen Landbevölkerung und urbanen sowie kunstbeflissenen Zwangsarbeitern aus Budapest. Letztere wollen im Stadel der Bauernfamilie Fasching just Johann Strauß’ junior "Wiener Blut“ einstudieren. Womit sie im dörflichen Mikrokosmos einiges in Bewegung bringen: Traudl Fasching (Ursula Strauss) hilft trotz aller Gefahr den Entrechteten, sie und ihr entfremdeter und kriegsversehrter Gatte (Johannes Krisch) beginnen langsam wieder zueinanderzufinden. Doch der lokale Mob, angeführt vom Dorfobernazi Werner Springenschmied (August Schmölzer), kennt keine Gnade: Der Ausgang ist tödlich.


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