Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Machen Sie keine Witze in Seniorenheimen und -innen

Arbeitslosigkeit, Feinstaub, Tofu, neue und aufdringlich unerotische Straßenbahndurchsagen: Man gewöhnt sich echt an alles. Menschen sind erstaunlich schnell dabei, sich neuen Bedingungen und Konventionen anzupassen, auch hier sind wir übrigens den Bergziegen und den Kleidermotten nicht unähnlich (Ratten sind in diesem Punkt chronisch überschätzt, wenn die Menschen verschwinden würden, würden auch sie innerhalb von wenigen Generationen aussterben, wie Modellversuche gezeigt haben). Zum Beispiel: Leute, die vom Weihnachtsurlaub in Mexiko City zurückkommen, signalisieren ihre Anwesenheit in Cafés mit einem lauten Zischen in Richtung Kellnerin. Das gewöhnen sie sich aber schnell wieder ab. Oder Apothekerinnen, die den ganzen Tag über Atembeschwerden, Körperflüssigkeiten oder Kopfweh reden und langsam vergessen, wie intim das alles für jemanden ist, der nicht beruflich damit befasst ist. Im Ton von Gebrauchtwagenverkäufern unterhalten sie sich über den ganzen Raum hinweg über die Darmtätigkeiten einer Kundin oder fragen eine leider ein bisschen schwerhörige Dame: "Wann passiert denn die Inkontinenz? Beim Lachen?“ Diese furchtbare Vorstellung wird uns übers Jahr 2011 begleiten, bei jedem Witz, wo alte Menschen in der Nähe sind. Ihnen wollen wir diese Zeilen widmen.


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