Fragen Sie Frau Andrea

Hände falten, Goschn halten

Kolumnen | aus FALTER 02/11 vom 12.01.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

woher kommt die in der ÖVP offenbar so beliebte Maxime "Hände falten. Goschn halten“? Hat das was mit dem katholischen "Roma locuta. Causa finita“ zu tun? Frau Andrea, übernehmen Sie!

Alfred Zellinger, Café Hawelka, per Gesichtsbuchdirektnachricht

Lieber Alfred,

Roma locuta, causa finita - Rom hat gesprochen, die Sache ist beendet - kennen wir als geflügeltes Wort, das auf den Schluss einer Sonntagspredigt des Bischofs, späteren Heiligen und Kirchenlehrers Augustinus von Tagaste (354-430) aus dem Jahr 417 zurückgeht. In Sermo 131, 10 ruft der Bischof seine Gemeinde zur weiteren energischen Verfolgung der häretischen Pelagianer auf, die die Lehre vom Sündenfall leugneten. Augustinus zitiert dabei Papst Innozenz I., der Augustinus in jenem Jahr brieflich mitgeteilt hatte, dass er Pelagius und seine Anhänger aus der kirchlichen Gemeinschaft ausschließe, solange sie ihre Irrlehren nicht widerriefen.

Obschon es hier Anklänge an die Kommunikationsstrategien innerhalb der Österreichischen Volkspartei gibt, entspringt der von Ihnen zitierte Merkspruch "Hände falten, Goschn halten“ allerdings einer ganz anderen Quelle. Wohl übte Ferdinand "Ferry“ Maier, Nationalratsabgeordneter und Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes, im Herbst 2006 in einem Brief an den damaligen ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer mit diesen blumigen Worten heftige Kritik an der "mittelmäßigen Performance und grauenvollen Kommunikationsarbeit“ der ÖVP-Spitze - erfunden hat der Bezirksparteiobmann der Floridsdorfer Vaupen den Sinnspruch allerdings auch nicht.

Zwar taucht er in einer 2004 erschienenen Monografie über den Alt-Diözesanbischof von St. Pölten, Kurt Krenn, auf, seinen Ursprung hat er aber ganz und gar nicht im kirchlichen Umfeld. Und nicht in Österreich.

Der Satz war noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts ein ständiger poetischer Begleiter deutscher Volksschüler und fand sich sowohl in Schulheften als auch auf schwarzen Wandtafeln. Er sollte Disziplin und Ordnung vermitteln und lautete: Hände falten, Schnabel halten! Gerade sitzen, Ohren spitzen! Kopf nicht drehn, nach vorne sehn! Andrea locuta, causa finita.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige