Austellung Kritik

Theater nach Maß: Kostüme im Fokus

Lexikon | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Kostüme sind die Mauerblümchen des Theaters: In Kritiken werden sie kaum erwähnt, im Pausentalk spielen sie selten eine Rolle. Im Theatermuseum stehen sie jetzt endlich einmal im Mittelpunkt: In der Ausstellung "Verkleiden - Verwandeln - Verführen“ lenkt nichts von den Textilien ab. Die Schauspieler und Sängerinnen, die in diesen Kostümen steckten, sind entweder gestorben, oder sie spielen längst andere Rollen, in anderen Kostümen. Ehrfurcht gebietet etwa das mächtige Lohengrin-Kostüm, das der Heldentenor Leo Slezak (1873-1946) sich auf den massigen Körper schneidern ließ; wer Slezak als Lohengrin haben wollte, musste auch sein Kostüm engagieren. Oskar Werner und Klaus Maria Brandauer, Kirsten Dene und Anna Netrebko: Auch in Abwesenheit sind die Akteure hier die Stars. Unter Kostümbildnern gibt es keine Stars, allerdings arbeiten hin und wieder Stars als Kostümbildner. Zum Beispiel Karl Lagerfeld, der für Hugo von Hofmannsthals Komödie "Der Schwierige“ 1991 luftige Seidenkleidchen für die Damen und einen schicken Frack für Hauptdarsteller Karlheinz Hackl entwarf.

Die weiße Uniform, die Gert Voss als Othello in George Taboris Inszenierung von 1990 trug, hat er jeden Abend mit seiner Körperschminke schmutzig gemacht. 20 Jahre später sind die Spuren der Aufführung beseitigt; das Kostüm wurde blitzsauber geputzt. Interessanterweise macht die liebevoll inszenierte Ausstellung indirekt erst recht den prekären Status des Kostüms deutlich. Zu "sprechen“ beginnen nur jene Kostüme, die im Betrachter Erinnerungen an die damit verbundene Aufführung auslösen. Ohne Kostüme sind Schauspieler zwar nackt, sie können aber immer noch Theater spielen. Umgekehrt sind Kostüme ohne Theater bloß Modeteile. So gesehen ist die Ausstellung ideal für geldknappe Fashion-Victims: Hier darf man nur schauen. WK

Österreichisches Theatermuseum, bis 31.10.


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