Kritik

Wenn die 11-Ton-Musik rastlos scheppert

Lexikon | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Nicht kleckern, sondern klotzen: Das ist ja das Motto zahlreicher Installationskünstler, etwa des Deutschen John Bock oder der heimischen Boygroup gelitin. Dass die Virtuosität im Umgang mit dem Raum aber erst recht im All-over gefragt ist, zeigt sich in der Ausstellung von Christian Eisenberger in der Galerie Konzett. In der vor Kunst überquellenden Schau "IMG3171PSD“wird erstaunlich viel geboten, aber es bleibt diesmal dennoch mehr eine Aneinanderreihung als eine gelungene Gesamtchoreografie.

Recyceln gehört zu den Hauptmethoden des 1978 in Graz geborenen Tausendsassas, der heute alle Medienorgeln bespielt, zunächst aber als Street-Artist bekannt wurde. Neuerdings hat sich Eisenbergers Passion von der skulpturalen Arbeit mit Karton und Klebeband zum 2 D dichter Bildcollagen verlagert. Die Verwurstung von Vorgefundenem reicht von einem Video, das Unmengen von Medienfootage - vor allem Pornos - hintereinanderfügt, bis hin zu ausgestopften Auerhähnen, die auf einem Holzgerüst über den Betrachterköpfen hängen, oder mit Farbe betropften Schaufensterpuppen. Bei Betätigung eines originellen Musikautomaten aus Küchenware ertönt "11-Ton-Musik“ und auch seine Papierarbeiten fixiert der Künstler auf einer drehbaren Walze. An Eisenbergers Street-Credibility mahnen Sprayschablonen mit Begriffen wie "Frankfurter“ oder "Milky Way“ und Mitgenommenes wie Verkehrsschilder. Der Betrachter wird hier visuell so überfordert, dass die großen Ölgemälde fast untergehen. Eisenberger passt perfekt in Konzetts Programm, in die Ahnenreihe von Wiener Aktionismus, Franz West oder Martin Kippenberger. Er lässt es auch an Referenzen nicht mangeln; im Gegensatz zu seinen Vorläufern wirkt sein derzeitiger Materialverschleiß aber seltsam manisch und lieblos. NS

Galerie Konzett, bis 4.2.


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