Neu im Kino

Als sich Frauen die Straße eroberten: "We Want Sex“

Lexikon | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Der "deutsche“ Filmtitel "We Want Sex“ ist irreführend, denn Sex ist in Nigel Coles neuem Film kein Thema. In Coles Komödie kämpfen Frauen im Jahr 1968 um equal pay - sie fordern für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen. Erzählt wird die wahre Geschichte des ersten Arbeiterinnenstreiks in Großbritannien, der in dem stark vom Ford-Motors-Konzern geprägten Londoner Vorort Dagenham stattfand. In der Ford-Fabrik verdienen damals 55.000 Arbeiter und 187 Frauen ihre Brötchen, mehr als 3000 Fahrzeuge rollen täglich vom Band. Job der Frauen ist, unter miserablen Bedingungen Autositze zusammenzunähen: Im Sommer wird es in der Fabrikshalle so heiß, dass sie ihre Arbeit nur in Unterwäsche bekleidet aushalten.

Angeführt wird der Streik von Rita O’Grady - grandios gespielt von Sally Hawkins, die schon im Film "Happy-Go-Lucky“ glänzte. Die unauffällige Rita kümmerte sich bislang neben ihrer Arbeit als Näherin vor allem um ihre Familie. Was die zierliche Streikführerin aber besitzt, sind Charme, Überzeugungskraft und eine lose Klappe. Damit mobilisiert sie die Ford-Näherinnen, kann nach langen Kämpfen die Gewerkschaft und zu guter Letzt die britische Arbeitsministerin vom Recht auf gleichen Lohn überzeugen. Cole verpackt das sperrige Thema in eine leichtfüßige, charmante Komödie und schwappt ordentlich trockenen britischen Humor darüber. "We Want Sex“ ist ein durch und durch optimistisch stimmender Film, sogar die triste britische Industrielandschaft wirkt gefällig. Der Kampf um Rechte ist schon lang nicht mehr so hin- und mitreißend filmisch umgesetzt worden.

Weiterhin in den Kinos (OmU im Filmcasino, OF im Artis und Village)


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