Konwitschny versucht sich an Verdis "La Traviata"

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Starregisseur Peter Konwitschny inszeniert erneut in Graz

Der gebürtige Frankfurter, der als Sohn eines prominenten Dirigenten in der DDR aufwuchs, studierte und dort auch bis zur Auflösung des Staates tätig war, gilt als einer der bedeutendsten Opernregisseure im deutschsprachigen Raum. Vielfach ausgezeichnet, wurde er von der deutschen Fachzeitschrift Opernwelt gleich wiederholt zum "Regisseur des Jahres" erklärt. Und auch die Grazer Oper, an der Peter Konwitschny seit 1991 arbeitet, profitierte vom Ruhm des Deutschen: Konwitschnys Grazer Inszenierung des "Falstaff" wurde 2001 von Opernwelt als "Aufführung des Jahres" abgefeiert, das Haus am Kaiser-Josef-Platz gar zum "Opernhaus des Jahres" ernannt.

Zehn Jahre später inszeniert Konwitschny erneut Giuseppe Verdi, dieses Mal die 1853 uraufgeführte "La Traviata". Freilich hat das kanonische Werk des Bildungsbürgertums seine Brisanz verloren. Die herzzerreißend konzipierte Liebesgeschichte der Kurtisane Violetta Valery und des Alfredo Germont reißt wohl kaum mehr von der Bestuhlung im Grazer Opernhaus. Auch nicht der frühe Tod von Valery im dritten Akt - Schwindsucht, sprich TBC, war im neunzehnten Jahrhundert noch ein großes Problem. Interpretiert wird das zentrale Paar in Konwitschnys Inszenierung von der deutschen Sopranistin Marlis Petersen, sie debütiert in dieser Rolle, und dem italienischen Tenor Giu seppe Varano. Alfredos Vater, er kämpft natürlich gegen die perspektivenlose Liebe des jungen Paares, wird in Graz von James rutherford gegeben. Provokationen sind bei Konwitschny nie auszuschließen, seine Inszenierung, so zeigen erste Probenbilder, mutet wie zu erwarten sehr zeitgenössisch an. Zur historischen Premiere war das anders: Verdi wurde gezwungen, die Handlung 150 Jahre in die Vergangenheit zu verlegen.

Oper Graz, Sa 19.30 (Premiere)


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