Kommentar  

Die Rache des Montezuma: Seine Krone geht nach Mexiko

Kulturpolitik

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Die Federkrone des Montezuma könnte vom Museum für Völkerkunde Wien an Mexiko verliehen werden. Sabine Haag, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, führt entsprechende Verhandlungen mit der mexikanischen Regierung. Bei dem begehrten Objekt handelt es sich um einen Kopfschmuck aus der manieristischen Wunderkammer der Habsburger, dessen Provenienz unklar ist. In der Nationalmythologie nimmt der Schmuck aber dennoch einen besonderen Rang ein.

Auch wenn den Mexikanern bewusst ist, dass die Krone niemals das Haupt des Aztekenkönigs Montezuma schmückte, ist die Rückgabeforderung ein Evergreen mexikanischer Außenpolitik: Es ist das Symbol für den Glanz präkolumbianischer Kultur und deren Vernichtung durch die europäischen Eroberer, deren Auftraggeber die spanischen Habsburger waren.

Christian Feest, der Direktor des Museums, argumentierte als Old-School-Aufklärer und sträubte sich gegen die Herausgabe des einzigartigen Objekts. Die Federkrone sei Eigentum der Republik und Teil der österreichischen Kulturgeschichte.

Nach Feests Pensionierung demonstriert Sabine Haag nun, wer im Museumskonzern das Sagen hat, und stellt zu Recht die Moral über die wissenschaftliche Neutralität. Sie folgt jener Argumentation, die auch der Rückgabe von Raubkunst theologisch zugrunde liegt: Kompensatorische Opfergaben sollen die Rachegötter der Vergangenheit besänftigen.

Der Philosoph Rudolf Burger schlug vor, die Krone Mexiko zu schenken - ein schlauer Versuch der Schuldumkehr. Wie unter Stammesgesellschaften üblich, wäre Mexiko Österreich dann ewig zu Dank verpflichtet.


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