Am Apparat  

Sind Sie mit dem Urteil einverstanden, Herr Brennan?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Der schwarze Sportlehrer Mike Brennan, 36, wurde im Februar 2009 von einem Zivilpolizisten in der U-Bahn-Station Spittelau mit einem Drogendealer verwechselt, niedergeschlagen und verletzt. Jetzt wurde der Beamte wegen fahrlässiger Körperverletzung noch nicht rechtskräftigzu 2800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Herr Brennan, sind Sie mit dem Urteil einverstanden?

Nein, ich halte das Urteil für nicht gerecht. Zwar freue ich mich, dass wenigstens irgendetwas geschehen ist. Aber das scheint mir doch eine ziemlich kleine Strafe für ein großes Vergehen zu sein.

Was hätten Sie sich denn erwartet?

Eine Freiheitsstrafe, zwei Jahre vielleicht. Dieser Beamte hat mich angefallen, geschlagen und verletzt. Ich wollte mit ihm reden, aber er hat nicht reagiert. In seinen Augen war nur Verachtung für mich.

Immerhin gab es jetzt eine Verurteilung durch die Justiz. Anfänglich hieß es ja vonseiten der Polizei, Sie hätten in Ihren Aussagen "ein bisschen übertrieben“.

Ich habe nicht das Gefühl, dass es dem Beamten leidtut - oder sonst jemandem. Während des Prozesses vermied er Augenkontakt. Es war schockierend für mich zu sehen, dass er nicht den Eindruck machte, als wäre er sich irgendeines Fehlers bewusst.

Haben Sie bleibende Schäden von dem Vorfall?

Ich muss zur Physiotherapie wegen meines Rückens.

Hatten Sie davor oder danach jemals Probleme mit Rassismus?

Gar nicht. Ich bin vor vier Jahren aus Florida hierhergezogen und habe die Österreicher immer als offene Gesellschaft erlebt. Ich will auch jetzt weder der ganzen Polizei noch der Gesellschaft Schuld geben. Schlimm war nur, was dieser eine Beamte getan hat. Eine angemessene Konsequenz ist in meinen Augen ausgeblieben. Jetzt kann ich nur hoffen, dass der Vorfall andere Menschen aufrüttelt.

Interview: Joseph Gepp


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