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Geht der Meinl-Mohr jetzt auch eislaufen, Frau Salat?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Brot und Spiele“, so nennen Kritiker gerne die Veranstaltungen, die den Wiener Rathausplatz je nach Jahreszeit in eine Opernbühne unter freiem Himmel, einen riesigen Christkindlmarkt oder - heuer ab 20. Jänner - in einen großen Eislaufplatz verwandeln. Der "Wiener Eistraum“ wurde 1996 erfunden, um das touristische Loch zwischen Silvesterpfad und Frühjahrsbeginn zu füllen. Anfangs erregten sich Anrainer über die Musikbeschallung, inzwischen gehört der Eislaufplatz zu Wien wie die - im Vergleich dazu winzige - Eislaufbahn vor dem Rockefeller Center zu New York.

Das Gefühl, immer schon dagewesen zu sein, vermittelt auch das Plakat, das heuer auf 300 Citylights fürs Glatteis vor dem Rathaus wirbt. Es zeigt einen Kinderkopf mit fröhlich wehendem Schal und Bommelmütze, zusammengesetzt aus vielen filigranen Schneeflocken. "Eigentlich stand im Briefing für diese Kampagnen: Bitte keine Schneeflocken“, erinnert sich die Grafikerin Lisa Salat, "aber letztlich hat sich dann mein Entwurf durchgesetzt.“

Salat arbeitete das erste Mal für die stadt wien marketing, jene ausgelagerte Gesellschaft der Stadt Wien, die den Eistraum, den Silvesterpfad und ein Dutzend andere, kleinere Events organisiert. "Ich wollte ein Bild schaffen, das mich an früher erinnert - einen Klassiker, zeitlos, ein wenig nostalgisch, verträumt und märchenhaft.“

Wohl auch deshalb erinnert die Eistraum-Silhouette an das Profil eines anderen berühmten Wieners: des "Meinl-Mohren“, mit dem das Lebensmittelunternehmen Julius Meinl seit 1923 wirbt, zuletzt in der Fassung des Designers Matteo Thun. "Lustig, den hatte ich gar nicht im Kopf“, meint die 45-jährige Designerin, "aber er ist natürlich sehr stark im öffentlichen Bewusstsein verankert.“


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