Ein Despot der Freiheit

Feuilleton | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Man sollte die Kulturpolitik der Ära Kreisky vor ihren Verächtern und Apologeten in Schutz nehmen

Essay: Klaus Nüchtern

Die derzeit in unzähligen Publikationen, Diskussionsrunden, DVD-Editionen, Gedenkveranstaltungen, Nostalgie-Events und Retro-Raves gewürdigte Ära Kreisky ist einerseits mit leicht fasslichen Schlagworten wie "Vollbeschäftigungspolitik“, "Justizreform“, "Bildungsoffensive“, "Ausbau des Wohlfahrtsstaates“, "Erdölkrise“ oder "Nahostkonflikt“ verbunden, scheint aber durch die Summe solcher Teilaspekte nur unzureichend beschrieben.

Will man sie in ihrer Gesamtbedeutung erfassen, so wird meist das Moment eines grundlegenden Mentalitätswandels betont, der zu Beginn der 70er-Jahre erfolgt sei und eine bis in die Zwischenkriegszeit zurückreichende Kontinuität zumindest aufgebrochen habe; es lässt sich als Liberalisierung, Modernisierung, Anschluss an internationale Entwicklungen beschreiben und hat - so der weitgehend herrschende Konsens - mit einem Paradigmenwechsel

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