"Aufbrechen“: Die Story ist tot! Lang leben die Storys!

Steiermark | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

"Aufbrechen“ von Roman Schneeberger: "Ein halbes Theaterstück“ im Theater am Lend

Theaterkritik: Hermann Götz

Ins Theater wird man erst gar nicht eingelassen. Der Abend startet im - dicht bestuhlten - Foyer. Besser gesagt: Er startet nicht. Denn was der junge Theatermacher Roman Schneeberger in seinem Regiedebüt am Theater am Lend zeigt, ist vorgeblich-vorsätzliche Verweigerung von Theater. Drei Darsteller geben vor, keine Darsteller zu sein, spielen Publikum.

Da der Abend nicht beginnt, entspannt sich zwischen ihnen eine Konversation, die rasch zum Seelenstriptease mutiert. Grenzen brechen auf. Doch anstatt enttäuscht ab- und aufzubrechen, bleiben die drei auch noch, als plötzlich das Licht ausfällt. Und weil im Dunkeln gut munkeln ist, dürfen sich nun die Zuseher im Striptease versuchen. Rein literarisch, versteht sich. Wahr oder falsch ist hier die Frage. Und das funktioniert! Im Schutze scheinbarer Anonymität wird der Abend tröpfchenweise mit Erzählungen gefüllt. Manche Anekdoten haben bestimmt schon einige Stammtischabende überlebt, andere sind längst Familienlegende, wieder andere werden hier vielleicht zum ersten Mal erzählt. Das ist jeden Abend anders.

Roman Schneeberger hat für "Aufbrechen“ ein schlüssiges Konzept erdacht, das mit guten Darstellern (Jean-Paul Ledun, Eva-Maria Prošek, Margarete Voggeneder) und gutem Timing überzeugt. War es Intention, dass man die Schauspieler nicht bereits nach den ersten Sätzen enttarnt, hätte eine weniger kunstvolle Imitation der Alltagssprache gut getan. Aber diese literarische Note unterscheidet die Produktion klar von verwandten, aber stärker improbasierten Arbeiten des Theaters im Bahnhof oder der Rabtaldirndln. Man darf gespannt sein, was Schneeberger das nächste Mal erzählt. Oder nicht erzählt.


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