Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Zug, Strichvögel, Sex, Leerlauf

Man kann nachts die Nachtigall hören, seit es wieder so warm geworden ist. Wenn uns unser Ohr nicht trügt, dann heißt das, dass sie vollkommen verwirrt sind, weil das Wetter so chaotisch ist. Sie sollten nämlich wie die anderen Zugvögel in Afrika sein und dort ihren Urlaub verbringen. Die Strichvögel hingegen ziehen es vor, in den heimischen Gefilden zu bleiben, auch wenn sie kurz mal den Ort wechseln, ganz im Gegensatz zu den Standvögeln, die einfach nur da bleiben, wo sie sind. Jedenfalls können auch Tiere bei der Einschätzung des Wetters völlig danebenliegen. Aber das geht uns allen so. Für viele schaut es so aus, als wäre das bisschen Sonne schon die perfekte Gelegenheit für Outdoor-Aktivitäten wie Schwimmen, Sex, auf der Wiese mit einer Flasche Wein am Rücken Liegen oder ein gutes Tennis. Dem ist nicht der Fall: Es ist nach wie vor besser, in beheizten Räumen zu sein, außer es sind Zugabteile der ÖBB, die immer die falsche Temperatur haben. Zurück aber zu den Gattungen: Neben Zug-, Strich- und Standvogel sind noch der Teilzieher und der Gefangenschaftsflüchtling zu nennen. Letzteres bezeichnet Tiere, die erst von Menschen gehalten werden, dann auskommen, um zu einer neuen Population zu werden, eh so ungefähr wie in Horrorfilmen. Der Waschbär etwa, der deswegen so heißt, weil er seine Nahrung unter Wasser taucht. Das hat mit Waschen aber nichts zu tun, es ist eine reine Leerlaufhandlung. Auch das kommt in der Natur vor.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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