Selbstversuch

Die Schuhe stehen schon in der Garderobe

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 03/11 vom 19.01.2011

Man kann ja so viel falsch machen. Die Druckerschwärze der letzten Kolumne war noch kaum trocken, erreichte mich schon ein Mail von Herrn Friedrich Riess, der sich darüber empörte, dass ich das Produkt Kelomat in Beziehung zu einem explodierenden Gespons setzte. Es tut mir leid! Dies zielte keineswegs darauf ab, den Druckkochtopf der Firma Riess zu verunglimpfen! Ich bin eine große Anhängerin von Riess-Produkten! Ja, die Waldviertler Küchenkastln sind davon in einer Weise überfüllt, dass der Lange es angezeigt sah, ein striktes Emailgefäßkaufverbot auszusprechen. Kaufe ich mir halt wieder Schuhe, aktuell ein Paar Sandalen, das aussieht wie aufgepumpte Barbie-Schuhe in einer Nuance, für die, glaube ich, nicht einmal die Ral-Tabelle eine Nummer vorgesehen hat. Irgendwas zwischen Rot und Pink mit einem Schuss Orange ... Die Schuhe stehen schon in der Garderobe und sollen den Frühling anlocken, obwohl der sich angesichts dieser Farborgie vermutlich beschämt zurückzieht. Egal. Das Jahr mit einem Paar optimistischer Schuhe zu beginnen, kann nicht falsch sein.

Es kann auch nicht falsch sein, nach Jahren einmal die CDs zu sor- tieren, da es eine wohltuende Wirkung auf mein Budget hätte, wenn ich die Songs, die ich auflegen* möchte, nicht mehr aus dem Internet herunterladen müsste, weil ich sie in 50 gut gemischten Kisten nicht finde. Das habe ich zu Hause gesagt. Und erlebte ein klassisches Wunder, als der Lange zwei Tage später mit Sortieren und Ausmisten fertig war, was aber daran lag, dass es der einzige Weg war, Platz für seinen Plattenspieler freizuräumen.

Es gab nämlich in der gesamten Wohnung kein Winkerl, in dem ein Plattenspieler vernünftig zu platzieren gewesen wäre. Es gibt auch keine eineinhalb Meter freie Wand, an die man ein Klavier stellen könnte, weshalb die Mimis gegen ihren Willen Gitarre lernen müssen, da man Gitarren zur Not auch noch oben auf die CDs aufstapeln kann, auf den sechs Gitarren des Langen. Da der Lange Gitarre spielt, fand ich es logisch, dass er auch mit den Mimis Gitarre übt, was dazu führte, dass mir auf der List-Party ein bis anhin fremder Herr von einem Freund berichtete, der wöchentlich zwei völlig übungsresistenten Kindern das Gitarrespielen beizubringen habe und nicht wüsste, wie lange er das nervlich noch ertrage. Dass es sich dabei um die Mimis handelte, alarmierte selbst eine Good-enough-Mother wie mich. Dabei setzt sich der Lange tatsächlich hin und wieder mit den Mimis zum Üben hin, allerdings spielen sie jeweils fünf Minuten später Nintendo, während der Lange glücklich und allein vor sich hin jammt. Der Lange hat das Pädagogische nicht so in der Genetik. Ich fand dann, dass es an der Zeit sei, die musikalische Erziehung der Mimis eigenhändig zu unterstützen, und besorge mir jetzt eine Gitarre. Keine Ahnung, wo ich die hinstellen soll.

* Unsere Kolumnistin legt übrigens kommenden Montag, 24.1., ab 21 Uhr wieder im Rhiz auf


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