Neu im Kino

Traumata und das Leben danach: "Hereafter“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 04/11 vom 26.01.2011

Die erste und größte Schwierigkeit von "Hereafter“ ist wohl, dass man nicht weiß, was genau man mit diesem Film anfangen soll. Angeblich hat Peter Morgan das Drehbuch auf der Turracher Höhe geschrieben und es später, nach dem Tod eines Freundes, an Steven Spielberg geschickt, der es als Produzent wiederum an Clint Eastwood weitergereicht hat.

"Hereafter“ ist ein für Morgan und Eastwood nicht nur thematisch, sondern auch dramaturgisch untypischer Film, indem er drei Erzählungen auffächert, die in England, Kalifornien und Frankreich spielen. Andererseits gibt es wohl noch immer kein globaleres Thema als die Frage nach der Möglichkeit nach einem Jenseits, und genau davon handelt "Hereafter“ auf höchst eigenwillige Weise.

Matt Damon betrachtet als Hafenarbeiter seine parapsychologische Fähigkeit, mit Toten in Kontakt treten zu können, nicht als Gabe, sondern als Fluch. Cécile de France leidet als Fernsehjournalistin nach einem Nahtoderlebnis vor allem an den engen Grenzen des Diesseits. Und ein englischer Schulbub sucht nach einem traumatischen Verlust die Antwort auf eine Frage, die er selbst nicht genau kennt.

Dass dieses Szenario an weltbewegende Naturkatastrophen und politische Terroranschläge gekoppelt ist, mag verstören, bleibt in seiner Wertungsfreiheit jedoch schlüssig. So verwehrt sich "Hereafter“ auch einer missionarischen Bekehrungsarbeit, sondern lässt den Glauben genau das sein, was er ist: eine Parallelwelt, deren jenseitigem Rauschen der Komponist Eastwood einmal mehr seine drei, vier irdischen Töne am Klavier entgegensetzt - und sich in seinem nächsten Film über FBI-Chef J. Edgar Hoover neuerlich einem Untoten widmen wird.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv, OF im Burg)


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