Kunst Kritik

Stets wachsam, auch in der Gegenwart

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 04/11 vom 26.01.2011

In Aflenz an der Sulm bestand ein Außenlager des KZ Mauthausen, dessen Spuren fast vollständig aus der Landschaft getilgt sind. Ein Wachpostenhaus hat sich als Ruine erhalten und diese wurde in den letzten Jahren von Helmut und Johanna Kandl sehr behutsam neu gestaltet, mit der Beschriftung "Wächterhaus“ in Schriftart Futura versehen und mit einem Screen ausgestattet, der in halbjährlich wechselnden Ausgaben mit dem digitalen Magazin Messages, repeated bespielt wird.

Seit letzter Woche mit der Ausgabe 3, in welcher Joachim Hainzl (Verein Xenos) die einfachen Freund/Feind-Schemata des Nationalsozialismus am Thema "Blut“ vorstellt und zeigt, was die Nazis zum "Arischen“ und seiner Sortenreinheit zusammenspannen. Und welche Analogien sich dazu noch im heutigen Sprachgebrauch finden lassen. Gerade zu Wahlkampfzeiten muss man Letztere nicht lange suchen. So wurde kein Denkmal errichtet, sondern, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, ein Ort bezeichnet, der für Johanna Kandl "eine Verantwortung für die Gegenwart einfordert“ .

Und an der Beobachtung der Gegenwart in Wort und Bild ist die ganze Arbeit der Kandls orientiert, wie man im benachbarten Leibnitz in der Ausstellung "Früher war viel cooler, Alter!“ nachprüfen kann. Die Galerie Marenzi zeigt Recherchen, in welchen die Kandls seit Jahren die gesellschaftlichen Verhältnisse in ihrer Wahlheimat Berlin erkunden, fotografisch beschreiben, anschließend in Tempera auf Holz und kombiniert mit Slogans auf den Punkt bringen. Schnappschüsse sind das Ausgangsmaterial zur Aufdeckung der Skurrilität des Alltags. So erfährt man etwa, dass auch der Kapitalismus nicht länger sexy ist.

Wächterhaus, Aflenz an der Sulm

Galerie Marenzi, bis 5. 3.


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