Güte, Großmut und Gemüse

Feuilleton | aus FALTER 04/11 vom 26.01.2011

Der linke Filmemacher Mike Leigh singt in "Another Year“ das Hohelied der Kleinfamilie

Familienaufstellung: Klaus Nüchtern

Die Briten würden keine Filme über die Mittelschicht und das Landleben drehen, meinte Stephen Frears erst unlängst und erklärte diesen Umstand im Falter-Interview (51-52/10) mit der Herkunft der Regisseure: "Ein gewisses Maß an Selbsthass spielt da herein - die Arbeiterklasse wirkt um vieles exotischer, und die Upper Class sowieso.“

Ganz halten lässt sich dieser Befund freilich nicht. Frears’ Kollege Mike Leigh etwa, der mit diesem und Ken Loach zu den Säulen des linken britischen Kinos zählt, hat sich von der Fixierung auf Klassenverhältnisse schon vor geraumer Zeit freigespielt. Werden in Filmen wie "High Hopes“ (1988) die Working-Class-Heroes noch polemisch den Repräsentanten einer grotesk agierenden Upper-Middle-Class entgegengesetzt, so kreisen seine jüngeren Filme wie "Happy-Go-Lucky“ (2008) um ganz andere, vom Kernbestand linker Theoriebildung


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