Nüchtern betrachtet

Es wird zu wenig Zwiebelsuppe gekocht

Feuilleton | aus FALTER 04/11 vom 26.01.2011

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Früher haben die Menschen ständig vom Sex geredet, heute reden sie ständig vom Kochen. Aber wo Zweifel angebracht waren, ob die geschwätzigsten Verbalerotiker auch zu den fleißigsten Realerotikern zu zählen seien (eher nicht, wie der Minnesänger schon wusste: Wer vil schwatzt, der tuot nit!), da kann man davon ausgehen, dass alle, die vom Kochen reden, auch tatsächlich kochen. Essen tut das Zeug dann wohl wer anderer, denn während Köche früher dick waren, schauen die Leute, die heute ständig übers Kochen reden, eher aus wie seinerzeit die Schneider. Mir scheint, dass unsere Gesellschaft von einer neuen Arbeitsteiligkeit bestimmt wird, die noch nicht hinreichend durchschaut und beschrieben worden ist. Die einen kochen und reden übers Kochen und die anderen essen Junkfood und machen Kinder (irgendwo müssen die ganzen kinderreichen bladen Familien, die man im Sommer im Freibad sehen

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