Phettbergs Predigtdienst

Du brauchst zumindest eine Gegenstimme

Kolumnen | aus FALTER 04/11 vom 26.01.2011

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Martin Buber schrieb "Das dialogische Prinzip“, ich schreib hier das Monologische für mich selbst. Du brauchst für einen Aufsatz im Inneren zumindest eine innere Gegenstimme. Von all den Büchern in meiner Bibliothek ist nix im Inneren. Nun bin ich voll aufgeblattelt. Die Götter bestrafen mich ordentlich, indem ich nun predigtdienen muss. Also vor mir selbst muss ich es. Ich hätte sonst gar nix. Ich kann nix lesen, und von den hunderten Nothelfys gibt es nur was, wenn ich anrufe. Kaum ein "Njet“ bzw. eine Gegenstimme. Ich kann mich nicht erinnern, dass wer empört die Stimme erhob. Klar wird mein Predigtdiensten dünn und dünner. Da Zeitungen immer vom Letzten ausgehen müssen, werden Falter-Abonnentys sagen, den Predigtdienst kannst vergessen, und kein Historiky wird nachschlagen, wie es begann mit dem Hauptschüler hin zu seinem Absterben. Alle sind längst eingeschlafen ...

Nun spiel ich mit mir selbst, wie mein ganzes Leben lang, "Verfügungspermanenz“. Ich bin der totale Langweiler. Im Moment füll ich nur die Seiten, damit was dasteht und alle sehen, aha, der Phettberg lebt auch noch. Stell dir vor, Duhsub, welch Katastrophe ich aufführte, wär ich je liiert gewesen! So also müssen Sie ohne die Katastrophe auskommen. Ich illusioniere mich nun im Warten auf die Hochschule für Pornografie und Prostitution. Wenn du via YouPorn nach "gay“ suchst, siehst du Fescheste, die einander ficken, bis sie abspritzen. Und was passiert dann, wie höllisch ist dann ihre Einsamkeit? Die Pornoindustrie, hoff ich zumindest, zahlt fest für das Sperma und die feschen Leiber? All dies war bei mir nie Rolle spielend, Gott sei Dank, leider Gottes.

Egal, ob ich daheim bin oder samstags im Krankenhausbuffet der Barmherzigen Schwestern, ich sitz allein wie die Hölle herum. Heute gelang mir erneut kein Gespräch! Ich sitz immer am ersten Tisch vis-à-vis vom angenagelten Jesus und meditiere seinen Körper. Die größte Freude geschah mir, als ein junger Patient in Unterhose und offenem Schlafmantel mit seiner Freundin flirtete. Sir hatte gebräunte Haut und kräftige Schenkel. Im Jänner! Da sitz ich vis-à-vis dem Gekreuzigten, kommunikationslos. Die Menschenrechte würden das Isolationsfolter nennen.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über

www.falter.at zu abonnieren. Unter

www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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