Selbstversuch

Man ist als moderne Frau ja auf alles gefasst

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 04/11 vom 26.01.2011

Der Lange wollte zum Baumax und schrieb eine Liste, und ich sagte, bring bitte eine neue Türklingel und betrachte nun versonnen die neue Türklinke. Vielleicht an einer Schnur vor die Tür hängen ... Aber es stimmt nicht, das tue ich gar nicht, das war schon letzte Woche. Tatsächlich bin ich augenblicklich mit dem Präsidenten in Berlin, wohne der Präsentation von Nives Widauers fabelhaftem Kunst-Werk "Minor Catastrophies“ bei und erforsche die Wirkung, die flache Schuhe in bebauten Gebieten auf meine Laune haben. Ich erwarte nichts Gutes, aber in Berlin, heißt es, haben sie es nicht so mit der Schneeräumung, von lebensgefährlichen, großflächigen Vereisungen auf den Gehsteigen ist die Rede, und so deppert bin ich dann auch wieder nicht, dass ich nach Berlin fahre, um mir die Knochen zu brechen. Ich war heuer sogar so undeppert, dass ich mir, als in Wien so viel Schnee und Matsch lag, einen Fahrradhelm gekauft und ihn volle vier Mal auch getragen habe.

Aber Fahrradhelme sind leider uncool. Ich weiß von fahrradhelmfolglich nicht zustande gekommenen Beziehungen, da wurde ewig gesucht und dann x-mal gedatet und auf beziehungstaugliche Qualitäten abgetestet. Und dann geht also die Frau nach einem schönen, verheißungsvollen Abend endlich einmal mit dem Mann mit heim, und das ist ja immer ein Wagnis, weil wie wohnt der, wie ordnet der seine Schuhe, was hängt der sich an die Wand und was hat der für Bücher und Platten, überall Minen, kennt man ja aus "High Fidelity“ und "Sex and the City“, man ist als moderne Frau auf alles gefasst und vor allem mehrfach gewarnt. Alles war okay, bloß rechnete die Frau nicht damit, was es auslösen kann, wenn man in der Wohnung des potenziellen Vaters seiner Kinder einen Fahrradhelm im Bücherregal entdeckt. Natürlich mag das auf manche Damen eine beruhigende Wirkung haben, ja, der Mann hat Verantwortungsbewusstsein und ein gesundes Sicherheitsbedürfnis, aber bei dieser speziellen Frau löste der Helm nur Fluchtimpuls aus, meine Güte, der Mann besteht aus nichts als Verantwortungsbewusstsein und gesundem Sicherheitsbedürfnis, und das zeigt er auch noch gerne her, da kann ich ja gleich wieder heim zu meiner Mutter ziehen. Sie hat ihn dann doch genommen, aber es war tatsächlich keine sehr aufregende Beziehung und hat nicht besonders lange gehalten.

Das hat jetzt allerdings mit Berlin und unvernünftigen Schuhen nicht mehr viel zu tun. Aber Schuhe, btw: Der Herr Riess, der sich letztes Mal wegen dem Kelomat beschwerte, mailte nun, okay, verziehen, aber es sei jetzt trotzdem nicht notwendig, sich auf den Kauf von Schuhen zu konzentrieren, man solle ruhig auch wieder einmal ein paar Emailtöpfe erwerben. Jaha! Tun Sie mich nicht drängen! Obwohl, ist eigentlich eine gute Idee, ich brauch eh ein Gastgeschenk für Berlin. Und so einen rosa Milchtopf kann man ja herumstehen lassen, ohne sich zu blamieren, oder.


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