Kritik

Theater wie im Slasher-Film: bühnenreife Systemfickerei

Lexikon | Sara Schausberger | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Es ist provokant, wenn im Theater jemand aus dem Publikum, "am besten eine Frau“, dafür bezahlt wird, dass sie sich beschimpfen lässt. Es erfordert Standhaftigkeit, sich dabei filmen zu lassen und dann gesagt zu bekommen, für Geld (20 Euro) würde man auch wirklich alles machen. Ali M. Abdullah will mit seinem Stück "Unfun“, nach dem gleichnamigen Roman von Matias Faldbakken, provozieren und schafft das auch. Hier wird alles und jeder gehasst, Missbrauch und Gewalt gehören zum Alltag, genauso wie eine gehörige Portion Rassismus. Der "noble savage“ (David Wurawa), ein nigerianischer Schauspieler, der die Hauptrolle in einem Slasher-Film spielen soll, in dem ein Schwarzer mit einer Säge in Paris alle Weißen umbringt, wird "den Neger“ ebenso wenig los wie sich der "linksintellektuelle“ Regisseur Slaktus (Arthur Werner) trotz Therapie seiner Gewalttätigkeit entledigen kann.

Es herrscht wenig Stille auf der in weiß gehaltenen Bühne, die von allen Seiten mit schwarzer Farbe besprayt ist. Alles wird mitgefilmt und an die hintere Wand projiziert, die Kameraführung ist unruhig wie das Zusammenspiel der sechs Schauspieler und der immer wiederkehrende Doors-Song "Riders on the Storm“. Es wird gestritten und diskutiert, zumeist reden alle gleichzeitig, selbst dann, wenn einer allein nach vorne ans Mikrofon tritt, um etwas zu erzählen, ein Zitat (z.B. Celine Dion: "This is getting serious“) loszuwerden oder zu erklären, was ein Slasher-Film nun eigentlich ist, nämlich "Systemfickerei“. Es darf viel gelacht werden an diesem Abend, aber zum Schluss kehrt doch noch Stille ein, als Slaktus seine Ex-Frau Lucy (Julia Jelinek) vergewaltigt und die gewaltvollen Worte, die das gesamte Stück begleitet haben, in körperliche Gewalt umschlagen.

Garage X, Fr, Sa 20.00


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