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80 Jahre Thomas Bernhard, den jeder ja so gern hat

Lexikon | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Die Kanonisierung des hier zu Lande einst wild umstrittenen Thomas Bernhard ist nach seinem Tod 1989 schleichend vonstatten gegangen. Seitdem hatte jede Bühne irgendwann mal den "Theatermacher“ auf dem Spielplan, seltener den "Heldenplatz“. Überspitzt gesagt: Man hat sich Bernhard, der sich nicht mehr wehren kann, auf Augenhöhe geholt. Am 9. Februar hätte der Autor seinen 80. Geburstag begangen. Es gibt aus dem Anlass eine Vielzahl von neu zusammengestellten Büchern (siehe Buchseite). Außerdem wird dem Jubilar natürlich in "seinem“ Theater ein Abend ausgerichtet.

Ein Fest für Thomas Bernhard an der Burg ist als Leseabend mit Bernhard-Schauspielern konzipiert. Hermann Beil, dem die Leitung obliegt, informiert: "Es wird gelesen, von früher zu älter, und derzeit noch darüber nachgedacht, ob vielleicht auch etwas Szenisches aus dem ‚Mittagstisch‘.“ Schon fix sind die Akteure: Annemarie Düringer, Maria Happel, Bibiana Zeller, Ignaz Kirchner, Rudolf Melichar, Claus Peymann und Peter Simonischek.

Auch das Volkstheater kommt posthum nicht ohne Bernhard aus. 2005 sorgte Direktor Michael Schottenberg für einen kleinen Skandal, als er das sogenannte "Hitlerzimmer“ in seinem Haus ausräumen ließ, weil er dessen braune Holzverkleidung angeblich als Bühnenbild für das Stück "Vor dem Ruhestand“ verwenden wollte. Tatsächlich war nur eine Nachbildung zu sehen, womit über Thomas Bernhard am Volkstheater schon sehr viel gesagt ist. Nichtsdestotrotz wird sich in einer Parallelaktion auch hier verneigt. In der Roten Bar präsentiert Peter Danzinger zusammen mit Julia Gschnitzer sein Hörspiel "Bernhard - Ein Requiem zum 80er“, eine Hommage, die auch den Umgang mit dem kulturellen Erbe behandelt. SF

Burgtheater, Mi 20.00

Volkstheater, Rote Bar, Mi 21.30


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