Kritik

Spitzen wider die Quadratschädel

Lexikon | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Ein Bild wie "Männergesellschaft“ könnte auch aus China stammen: Die dortige Pop-Art hat immer wieder so unangenehme Sujets von gleichgeschalteten Kollektiven hervorgebracht, wie sie jetzt in der Ausstellung von Florentina Pakosta im Leopold Museum hängen. Hässliche Glatzköpfe bevölkern das Werk der 1933 geborenen Künstlerin, deren feministische Ambition schon früh eigenwillige Wege ging. So frequentierte Pakosta Ende der 50er-Jahre Wirtshäuser und Animierlokale im Prater und hielt Szenerien von dort in Zeichnungen fest, die an Künstlervorbilder wie Picasso denken lassen.

Die Ausstellung widmet Pakostas feministischen Arbeiten einen eigenen Raum, grenzt diese sich doch über mehrere Dekaden erstreckende Auseinandersetzung damit aber auch komisch aus. Bedenklich auch die Reihung mit Maria Lassnig und Valie Export als dritte Feministin der heimischen Kunst. Gewalt in Gestalt von Körperdeformationen oder Verbindung mit Objekten spielt eine große Rolle in den Papierarbeiten der Künstlerin, etwa in "Nadelhirn und Nadelklitoris“ von 1985. Bald fand Pakosta jedoch zu den für sie so typischen Köpfen, für die sie zunächst schwarze Aquarellfarbe auf Schablonen spritzt.

Die feministische Abteilung ist bei weitem die interessanteste der Schau, da auch die technisch experimentellste. In der Beschäftigung mit den Charakterköpfen von Franz Xaver Messerschmidt entstanden monumentale Köpfe, die die Künstlerin mit schwarzer Kreide in Schraffurtechnik malte. Auch mehrere Porträts von Politikern und Museumsleitern schuf Pakosta so, zusammen mit einem garstig lachenden Selbstporträt. Aus Massenmotiven, wie dem am Anfang erwähnten Bild, gehen schließlich die geometrischen Abstraktionen "Trikolore“ hervor, die von allem ein bisschen sind, insgesamt aber steril wirken. NS

Leopold Museum, bis 18.4.


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