Neu im Kino

Weißer Riese, Marke Black-ness: "Gullivers Reisen“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Alles wie gewohnt: Gulliver gerät auf Reisen als Riese nach Liliput; Jack Black spielt ihn in seinem bewährten Rollenfach - hardrockhörender, infantiler Selbstüberschätzer, dem die Welt narzisstische Bühne und Spielzeug ist.

Als neuer Gottkönig von Liliput lässt er sich von dem Zwergenvolk eine Stadt bauen, in der alle uns vertrauten Werbesujets sein Konterfei tragen (das ist digitalerweise billig zu haben), und zum Gaudium seine Pop- und Kino-favorites, von Kiss bis "Star Wars“, in kindlichem Dekor nachspielen (auch das billig zu haben, als Aufguss von Rock- und Film-reenactments, wie Black sie in "School of Rock“ respektive "Be Kind, Rewind“ geboten hat).

Das ist als Konsumkulturkomik halbgar, als Product-Placement hingegen von jener Unverfrorenheit, die die Familienkomödie "Gullivers Reisen“ als Moral predigt: Zeig, was du hast!

Ins feudale Liliput bringt Gulliver Style und Segen liberaler Kommunikation sowie eine Expressivität, die als African American codiert ist: "Kiss“ meint hier auch jenen Prince-Hit, den Gulliver einem kleinen Mann als Flirtformel beibringt. In seiner Heimat, flunkert der weiße Riese, sei er Präsident; zum Gruß macht er die von Familie Obama praktizierte Faustgeste.

Aller Liberalismus hat seine Grenzen: Unter den quasi im viktorianischen England lebenden Liliputanern steht (ein anachronistischer Anblick) manch schwarzer Statist im Gehrock; alle sprechenden Rollen, zumal das Ensemble um Black (Emily Blunt, Jason Segel, Billy Connolly), zeigen noble Blässe. Wir lernen: You don’t have to be black to rule this world! Es ist hier sogar besser, nur Black zu heißen.

Ab Do in den Kinos (OF im Haydn)


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