Theater Kritik

Das TaO! stellt wieder die Gänseblümchenfrage

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Die Bühne hat Rollschuhe an und dreht sich von Schauspielern geschoben im Kreis, wie eine Gebetsmühle der Adoleszenz, die immer wieder die gleiche alte Gänseblümchenfrage stellt: Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt eine andere. "Anne & Sophie & und Das erste Mal“ ist eine TaO!-Soap zum Thema größer werden, erdacht und inszeniert von Simon Windisch, gemeinsam mit Schauspielprofis und solchen, die es allem Anschein nach werden wollen. Theaterworkshops im TaO! haben ja stets viel mit der Lebenswelt der Teilnehmenden zu tun. Windisch & Co treiben dieses Prinzip auf die Spitze - und in Richtung einer semiprofessionellen Umsetzung. Inklusive krachender Musikbeispiele und echter Zigaretten am falschen Mädchenklo. Nach "Die erste Regel“ war "Die erste Suchtprävention“ und "Die erste Band“ zu sehen bzw. nicht zu überhören. Dem Prinzip genialischer Interpretation fernsehtauglicher Untiefen bleiben auch die selbstgemachten musikalischen Einlagen treu. Lydia Grassl (Anne) und Tialla Rath (Sophie) haben in Nora Winkler, Alexandra Schmidt und Marie Pircher würdige Gegenspielerinnen, die beiden Jungs David Valentek (Hubert) und Moritz Ostanek (Friedrich) geben ihre vergleichsweise blassen Rollen mit stoischer Hingabe (also glaubwürdig). Highlights des Abends sind die Video-Erscheinungen von Manfred Weissensteiner als reformpädagogisch angekratzter "Gott“ (wer dabei an den "Schüler Gerber“ denkt, könnte auf der richtigen falschen Fährte sein), Herwig Ofner ist ein sehr unterhaltsamer Anti-Moderator namens Herwig Ofna, nur Christoph Kugler hat als "Talentescout“ das Soap-Prinzip, seine Rolle möglichst eindimensional anzulegen, etwas zu ernst genommen. So oder so, eine Soap soll ein Publikumsrenner sein. Bei Anne & Sophie ist es sicher: Die Quote stimmt.

Theater am Ortweinplatz, Folge 3+4, Premiere Mi 19.00


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