Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Klaus Nüchtern | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Ein Mythos wird zu Grabe getragen. Die Feng-Shui-Ecke ist tot. Tagelang war unter den für Außenstehende vollkommen kryptischen Anweisungen eines Bauleiters gehämmert, gebohrt, gestemmt, gemalt und geklebt worden, und dann war nichts wie zuvor. "Viel Arbeit. Aber schön!“, meinte die Frau Koc, die am Abend nach der Übergabe den Staub von der schwarz spiegelnden Verkleidung wischte. Was genau das ist, was sich nun dort befindet, wo früher einmal die Feng-Shui-Ecke war, kann man nicht sagen. Nach Feng-Shui sieht es nicht aus. In einem Neonlicht, das der Chefredakteur hartnäckig als "tageslichtähnlich“ anpreist (so wie ein Radhelm "haarähnlich“ ist), gleißt in den Nichtfarben Schwarz und Weiß ein schlanker Raum, der so zukunftsträchtig aussieht, dass das Wort für ihn unmöglich schon erfunden worden sein kann. Wir nennen ihn also vorerst "Dark Star“. Er beherbergt traditionelle Funktionseinheiten zur Körperentleerung und Geschirrreinigung, die hinter extrem schnellen Oberflächen verborgen sind. Die ganze linke Seite ist eine Art 3-D-Memory-Spiel: Man greift zwischen das Schwarze und Weiße, zieht oder drückt und ist gespannt, was sich dahinter öffnen mag: ein Regal? Der Geschirrspüler? Ein Teilchenbeschleuniger? Der Aufzug ins Nichts? Keine Frage, wer sich an Bord dieses Schiffes begibt, bleibt nicht der/die, als der/die er/sie es betreten hat. Die Entleerungseinheiten sind außen noch mit den traditionellen Symbolen versehen, aber wer sie betritt, sieht auf eine schlanke Neonröhre, die Schlitz und Stab zugleich ist, und weiß: Geschlechterdimorphismus war gestern!


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