Am Apparat  

Herr Wildberger, gibt es einen Ausschaltknopf fürs Internet?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Über Nacht ging Ägypten offline, vergangenen Freitag hat das Regime nahezu alle Internetverbindungen gekappt. Wäre so ein massiver Eingriff auch in Österreich möglich? Andreas Wildberger, Generalsekretär der Internet Service Providers Austria (ISPA), gibt Auskunft.

Ägypten ist fast zur Gänze offline. Gibt es auch in Österreich einen Ausschaltknopf fürs Internet?

Nein, so etwas gibt es derzeit ganz sicher nicht. Im Bundeskanzleramt gibt es keinen roten Knopf, den man drückt, und dann fällt das Internet aus. Da müsste schon eine sehr konzertierte Aktion dahinterstecken, so wie in Ägypten.

Können Sie technisch erklären, wie man ein ganzes Land vom Internet trennt?

Damit der Verkehr im Internet fließt, tauschen Verbindungsrechner gegenseitig Adressen aus. Wenn nicht mehr bekannt ist, dass es einen Rechner überhaupt gibt, kann auch kein Verkehr zu ihm hin- oder weggeleitet werden. Das ist so, wie wenn man beispielsweise den Telefonbucheintrag für Frau Maier löscht. Wenn Sie nun ihre Telefonnummer suchen, finden Sie sie nicht, obwohl die Frau Maier ganz sicher eine Telefonnummer hat.

Für internationale Computer sind die ägyptischen Computer also nicht auffindbar?

So kann man es vereinfacht ausdrücken.

Wäre das auch in Österreich möglich?

Schauen Sie, komplett ausschließen kann man so etwas nicht. Aber es ist extrem unwahrscheinlich. In Österreich gibt es wesentlich mehr Provider als in Ägypten, Leitungen sind redundant, eine Aktion müsste äußerst konzertiert sein, um das Internet so zu beeinträchtigen. Außerdem ist das rechtlich bei uns anders. In Ägypten ermöglichen die Gesetze einen Einfluss auf Provider. Bei uns gibt es meines Wissens nach keine rechtlichen Grundlagen, dass die Regierung sagt: ‚Okay, jetzt draht’s o.‘ Das ist in einer demokratischen Gesellschaft schwer vorstellbar.

Interview: Ingrid Brodnig


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