Gelesen 

Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Öl I: das Gute am hohen Ölpreis

Wenn der Chefstratege einer Bank ein Buch über das bevorstehende Ende der weltweiten Ölressourcen veröffentlicht, sorgt er damit kraft seines Amtes für mehr Aufsehen als altbekannte "Kehrt um!“-Propheten mit der gleichen Überzeugung. Die Botschaft, dass das noch förderbare Öl zur Neige geht, ist nicht neu - die Schlüsse, die Jeff Rubin daraus zieht, schon. In "Warum die Welt immer kleiner wird“ argumentiert der Managing Director der kanadischen CIBC-Bank, warum das Schwinden der Ölvorräte entgegen aller Erwartungen eine gute Nachricht sein kann: Massiv steigende Transportkosten werden es künftig aus wirtschaftlicher Sicht sinnlos machen, ganze Industrien in weit entfernte Billiglohnländer auszulagern.

Karin Chladek

Jeff Rubin: Warum die Welt immer kleiner wird. Öl und das Ende der Globalisierung. Hanser, 282 S., € 19,90

Öl II: Das blutige Geschäft damit

Überraschend ist es, dass es auch Peter Maass gelingt, optimistisch zu bleiben. Denn der Korrespondent des New York Times Magazine ist dem sogenannten Ressourcenfluch nachgegangen: Woran liegt es, dass rohstoffreiche Länder - mit wenigen Ausnahmen - weniger Wirtschaftswachstum erreichen als rohstoffarme? Wie lebt es sich in wichtigen Ölförderländern wie Nigeria, Äquatorialguinea oder im Irak, wo das Öl seit Jahrzehnten wechselnden Diktaturen, bewaffneten Konflikten und massiver Umweltzerstörung Vorschub geleistet hat? Peter Maass hat mehrere Jahre vor Ort recherchiert; seine Berichte aus dem Nigerdelta und dem massiv verschmutzten Amazonas-Gebiet Ecuadors klingen wie moderne Variationen von "Herz der Finsternis“. Fazit seiner Reisen: "Rohstoffe wie Öl bergen zu viele Kräfte, die zu Korruption verführen, Konflikte schüren und die Wirtschaft verzerren (…) nur die stabilsten Demokratien wie Norwegen oder die winzigsten Emirate wie Abu Dhabi konnten die Nachteile einer Abhängigkeit von Rohstoffen abwehren.“

Karin Chladek

Peter Maass: Öl. Das blutige Geschäft. Droemer, 352 S., € 20, 60


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige