Mediaforschung  

"Zeigen Sie uns die Antarktis, Herr Schulte-Doeinghaus?“

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Hermann Maier stapft schwerfällig durch den hohen Schnee, der Wind pfeift ihm um die Ohren, es ist eiskalt. Die Skilegende grummelt vor sich hin: "Nie wieda foahr i do her, nie wieder!“ Plötzlich vernimmt man eine Stimme aus dem Off. Es ist anscheinend Maiers Über-Ich, das sich meldet und ihm die Frage "Was mocht eigentlich mein Göd?“ ins Hirn schießen lässt. Der heimische Skiheld bleibt stehen, überlegt kurz - und kehrt dann entschlossen um. Mit schnellen Schritten marschiert er wieder in den Schneesturm zurück, aus dem er gekommen ist.

Da fragt sich der Zuseher: Wurde der Raiffeisen-Spot vielleicht im Rahmen von Maiers Südpolexpedition gedreht? Bekommt man so schon erste Eindrücke von der Antarktis geliefert? Die ORF/ZDF-Doku "Wettlauf zum Südpol“ soll ja erst Ende Februar ausgestrahlt werden. Gerd Schulte-Doeinghaus von Ogilvy, Kreativchef des Spots, erklärt: "Nein, wir haben vergangenen Herbst zwei Tage lang am Langjökull gedreht, dem zweitgrößten isländischen Gletscher.“

Warum setzt Raiffeisen eigentlich noch immer auf Hermann Maier als Kampagnentestimonial, obwohl der seine Skikarriere mittlerweile schon beendet hat? Der Privatmann Maier sei für Raiffeisen fast noch interessanter als der Rennfahrer Maier, sagt der Ogilvy-Creative-Director. "Die wichtigsten Markenwerte, um die es hier geht, sind Nähe und Vertrauen. Die vermittelt nicht nur Hermann Maier, sondern diese Werte manifestieren sich auch in dem Slogan ‚Meine Bank‘.“

Anfang Februar laufen neue Spots für die Bank an. Darin wird der einstige Maurer Maier übers Bauen und Sanieren nachdenken, das hat er schließlich auch gelernt. Auch diese Werbungen setzen laut ihrem Erfinder auf einen gewissen Unterhaltungswert. Wir werden ja sehen, wie weit der Raffeisen-Humor geht.


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