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Nokia E5-00: Gegenentwurf zur Spaßgesellschaft

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

prüfbericht: thomas vaŠek

Mobiltelefone sollen angeblich Spaß machen. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Jedenfalls propagiert die Branche gern den "Fun-Faktor“ ihrer neuesten Produkte. Persönlich bin ich ja stark dafür, dem Spaß-Terrorismus den Krieg zu erklären. Wer den totalen "Fun“ will, soll sich eine Spielkonsole kaufen, RTL schauen oder Grasser-Abhörprotokolle lesen. Für ernsthafte Zeitgenossen gibt es zum Glück das neue E5-00 von Nokia. Schon der Name verrät eine gewisse Nüchternheit. Auch sonst ist das Smartphone (ca. 195 Euro ohne Vertrag) ein Gegenentwurf zur Spaßgesellschaft. Dabei kann das E5-00 eigentlich fast alles - außer Spaß halt. Zum Beispiel hat es eine formidable Volltastatur, On-Board-Navigation, Push-Mail und jede Menge Bürosoftware, etwa für das Bearbeiten von Office-Dokumenten wie Word, Excel und Powerpoint. Überhaupt ist alles an dem Gerät auf Effizienz ausgelegt. Sehr überlegt angeordnet sind die Bedienelemente oberhalb der Tastatur - mit extra großen Knöpfen fürs Beginnen und Beenden des Gesprächs, einem "Mail“-Button und einer angenehmen 5-Wege-Navigation. Konsequenterweise sieht das Teil aus wie ein Blackberry. Das protestantische Arbeitsethos zeigt sich darin, was das Gerät alles nicht kann. Das Display ist mit 48 mal 36 Millimetern so klein, dass der Gedanke an Gamegedaddel gar nicht aufkommt. Mäßig ist auch die Foto- und Videoqualität. "Fun ist ein Stahlbad“, schrieben Adorno und Horkheimer. Das E5-00 zeigt: Jetzt ist Schluss mit lustig.

Thomas VaŠek ist Journalist und Buchautor in München


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