Der Rausch der Leere

Stadtleben | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Der Philosoph Wolfgang Pircher spricht über die Tabula rasa als düstere Utopie der Stadtplanung

Interview: Matthias Dusini

Eine überwältigende Leere breitet sich aus, wo vor kurzem noch der Südbahnhof stand. Die Bagger haben plane Flächen geschaffen, deren geometrische Regelmäßigkeit durch keinen Grashalm gestört wird. Bevor die Büro- und Wohntürme rund um den neuen Hauptbahnhof in den Himmel wachsen, kann man hier den ästhetischen Schauer einer Tabula rasa genießen.

Falter: Was macht den Reiz einer Tabula rasa aus?

Wolfgang Pircher: Eine geglättete Fläche ist der Zustand, in dem alles möglich ist. Man kann alles auf diese Fläche schreiben. Nichts ist in diesem Rausch der Möglichkeiten fixiert, die Fläche erzeugt die Illusion unbeschränkter Gestaltungsmöglichkeit. Man könnte auch uralte Gebäude rekonstruieren wie in Berlin, wo man das alte Stadtschloss wieder aufbauen möchte. Das sind uninteressante Projekte. Spannend ist die freie Erfindung: die Gestaltung eines Raumes,

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