Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Jenner 2011: Fernsehen, Geld, schlechtes Wetter

Wörter mit e sind das Kräutersalz in der fetten Rinderbouillon der deutschen Sprache, wie wir alle wissen, spätestens seit dem ersten Sex. Früher, als man in Fernsehshows noch reich werden konnte, war das E beim Glücksrad deswegen auch entsprechend teuer: 300 Mark waren weg, dafür war es dann meistens ziemlich leicht, und erst, wenn die Kandidatin wirklich sicher war, sprach sie die magischen Worte: "Ich möchte ein E kaufen!“ Wenn wir in einer kalten Nacht in einem düsteren Keller bei lauter Musik oder bei Nebel im Stadtpark gefragt werden, "Hey, willst du E kaufen?“, erinnern wir uns daran, und vielleicht hat der einsachtzig große Mann mit Jogginghose, der jetzt von der Polizei gesucht wird, genau deswegen JA gesagt und war deshalb ein bisschen neben der Spur, als er dann am nächsten Tag (Montag früh) in der Annenstraße seine Es in einer Bank anbrachte und mit einer Schusswaffe im Anschlag die beiden E-Wörter bildete, die unser aller Sehnsucht auf den E-Punkt bringen: Schnell Geld! Mehr sagte er nicht. Für Höflichkeitsfloskeln hätte er andere Vokale benötigt, deswegen verschwand er sofort mit dem Geld Richtung Hauptbahnhof. Wer weiß, was er sich als Nächstes kauft. Wahrscheinlich ein I. Dann kann er nach Wien fahren, sich in Sicherheit bringen, und ein Bier trinken. Beziehungsweise endlich Christine wiedersehen.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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