Phettbergs Predigtdienst

Heimhilfe ist ein Wunderwerk

Kolumnen | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Mitten auf der Gumpendorfer Straße lag ich und einer half mir auf, der auch bei Twitter beheimatet ist. Er war mit seinem Baby unterwegs. Er half mir auf und sagte dabei: "Wir lesen uns bei Twitter.“ Derweil blähte sich am linken Knie ein Bluterguss auf. Dann kaufte ich mir ums letzte Geld die Weizenkeimölkapseln in der Ägidiapotheke. Manuels Boss-Bluejeans haben nun ein Loch vom Hinfallen auf der Straße. Unsere Gier nach Fabriksähnlichkeit versauter Bluejeans ist groß, damit wir ja verwegen erscheinen. Reante hat in der Presse gelesen, viele Arbeiter würden beim Herstellen der Löcher in Bluejeans lungenkrank, weil sie mit geblasenem Sand produziert würden. Ich hab mir das Loch in Manuels Jeans redlich durch Hinfallen erworben!

Als ich ca. dreieinhalb war, hatte ich folgende Technik: Wenn ich erwachte und niemanden sah, begann ich laut zu weinen, ja zu brüllen, bis mich wer erhörte. Nun, bald gegen mein Ende, bin ich immer allein und das gern, nur wenn ich über die Straße muss, hab ich nun Angst. Denn Hinfallen macht mir keinen Spaß. All meine Jahre hab ich absolut nix Außerirdisches wahrgenommen, trotzdem geh ich in die Vorabendmesse. Die Fantasie "Gott“ würde ich trotzdem gerne im Grab begrüßen. Und so gehe ich meiner allsamstäglichen Isolation nach. Als Kleinkind konnte ich bei so was schreien wie am Spieß.

In der Vorabendmesse dachte ich mir: So, wie ich als Dreikäsehoch laut schrie, ist das Abhalten der Milliarden und Abermilliarden Eucharistiefeiern eine Art Erpressung, dass es doch "Gott“ gäbe. Alle Zeremonien nutzen nur dann was, wenn "wir“ das Menschliche zueinander erbeten. Und dann, irgendwann dann, wird uns nix überbleiben, als auf http einzuwirken, "uns“ das ewige Leben und Gott zu erbasteln. Damit dann das soziale Leben und das ewige Leben z’sammpassen. Nun brülle ich nimmer, aber ich sitz allein in der Cafeteria, so treib ich es mein ganzes Leben. Die lebenslängliche Isolation bewältigt Genossin Stubenfliege weit besser als "ich“.

Ab heute kommt Frau Göbel von der Volkshilfe dreimal pro Woche zu mir. "Wir“ sind eben Sozialwesen. Heimhilfe ist ein Wunderwerk. Selbst wenn ich wollte, könnt ich nicht klagen!

Phettbergs Predigtdienst ist auch über

www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige