Fragen Sie Frau Andrea

Die klitzekleine Klickeklatsche

Kolumnen | aus FALTER 05/11 vom 02.02.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

meine Freundin kaufte sich unlängst ein bodenlanges Abendkleid (es gab einen "Anlass“). Tagelang war sie auf der Suche nach einer passenden Handtasche, verwendete allerdings nicht dieses Wort, sondern sprach von einer "Clutch“. Angesichts der Kosten fragte ich mich und sie, ob sie "einen an der Klatsche“ habe. Abgesehen davon: Woher kommt dieser Ausdruck?

Mit freundlichen Grüßen,

Joachim Berg, aus Erdberg, per Elektronachricht

Lieber Joachim,

im Ballkleid oder einer anderen bodenlangen Robe mit einer Henkeltasche, Kelly-Bag oder gar der Lastwagenplanen-Umhängetasche anzurauschen, darf als parvenuehafte Modeverfehlung angesehen werden. Mit der Suche nach einer passenden Clutch hat Ihre Freundin einen respektablen Weg eingeschlagen und wird sich beim "Anlass“ weder blamieren noch genieren.

Die Clutch ist ein längliches, henkelloses Leder- oder Stoffkuvert vom Format einer Kellnerbrieftasche. In eine Clutch sollte nicht mehr passen als ein Kajalstift, Lipgloss, eine Kreditkarte, das Handy und der Wohnungsschlüssel. Möglicherweise eine Münze für die Klodame; darüber streiten die Experten.

Auf den ersten Blick hat die Clutch ihren Namen von der Art, sie bei sich zu halten - im Englischen heißt to clutch mal "klammern“, mal "kuppeln“. Es soll nach etymologischem Augenschein von einem protoindoeuropäischen *klukja kommen, das im Altenglischen dann clyccan (klicken, krallen) hieß, verwandt mit dem heutigen englischen Verb to cling.

Das ist aber nur der offizielle Teil der Clutch-Etymologie. Ihr Hinweis auf die Klatsche geht schon in die richtige Richtung. Einen an der Klatsche zu haben, bedeutet so viel wie einen Hau zu haben, einen am Kopf, an der Wange, am Maul, an der Klappe, an der Klatsche eben. Das Wienerische, das sehr viele Ausdrücke aus dem Althochdeutschen bewahrt, kennt den Klescher, den jemand hat. Aber auch, und jetzt kommts!, die Kleschen. Die Kleschen, verwandt mit dem Klaffen, ist ein wienerisches Hüllwort für die Vulva, das weibliche Geschlechtsorgan. Wollte Ihre Freundin am Techniker-Cercle oder am Opernball statt einer Clutch eine Kleschen dabeihaben, wäre das weder modetechnisch noch sprachlich ganz unrichtig.


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