Neu im Kino

Der Fall des Hauses Recchi: "I Am Love“

Lexikon | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Eine bestechende Ouvertüre: Eine Mailänder Industriellenfamilie hat sich eingefunden, um den Geburtstag des Familienpatriarchen gebührend zu feiern. Eine Hofübergabe. Die verschneite Stadt ist schmutzig-grau, das Interieur der Großbürger mahagonifarben, die Sitzordnung penibel. Luchino Visconti, der Großmeister des Ausstattungskinos, lässt grüßen.

Vieles bleibt zunächst nur angedeutet: Ein Koch steht plötzlich mit einer Torte vor der Tür; die Tochter wird mit ihrem Freund brechen. Nur Emma, die Mutter, die der Textilkönig vor vielen Jahren aus Russland mitgebracht hat, scheint perfekt in ihre Rolle als mondäne Hausherrin hineingewachsen zu sein.

Die getriebene Tilda Swinton ist das Zentrum von "I Am Love“ (im Original: "Io sono l‘amore“), kämpft gegen die Fassade. Verliert sich. Dann beginnt es zu brodeln, auch die Kamera von Yorick Le Saux nimmt Fahrt auf, und Regisseur Luca Guadagnino macht aus einer im Grunde konventionellen Emanzipationsgeschichte eine amour fou vor dem Hintergrund des Falls des Hauses Recchi. "Du existierst nicht“, sagt ihr Mann zu Emma, und um das Gegenteil zu beweisen, existiert dieser Film. MP

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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