Neu im Kino

Testgelände High School: "Inside America“

Lexikon | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

In einem Land ohne Gesamtschule und mit geringem sozialem Gefälle ist die immense Bedeutung gar nicht so leicht nachzuvollziehen, die High Schools in der US-Populärkultur eignet. In Filmen und Serien von "Blackboard Jungle“ bis "Glee“ figuriert die High School nie bloß als Bildungsanstalt oder Schauplatz eines Aufwachsens, sondern als veritables gesellschaftliches Testgelände: halb Experimentierfeld für Selbstentwürfe und Gruppenbildungen, halb bitterer Ernst der Segregation nach Popularität und Klassenzugehörigkeit. Deshalb sind Klischees in High-School-Filmen auch immer schon die halbe Wahrheit.

Nach der anderen Hälfte hat Barbara Eder gesucht: Die Hanna High School im texanischen Brownsville, um die Eders Drama "Inside America“ angeordnet ist, besuchte die Österreicherin Mitte der 90er als Austauschschülerin.

Mit fünfköpfigem Filmteam kehrte sie 2008 an die Schule zurück, die durch Migration und Armut der Umgebung geprägt ist: Carlos, eine der sechs Hauptfiguren, die von ansässigen Laien gespielt werden, bereitet sich in der Militärklasse auf eine Zukunft in der Army vor, die selbstbewusste Patty leistet gegen die Verheiratungsversuche ihrer mexikanischen Familie Widerstand.

Der Wille zum großen Drama, mit dem "Inside America“ die Geschichten seiner Protagonisten mehrmals auffächert und zusammenführt, nötigt Respekt ab. Trotz der Nähe zu einer konkreten Lebenswelt verausgabt sich der Film aber häufig im Offensichtlichen und Behaupteten: Im Klassenzimmer schwätzen Lehrer vom american dream, im Waffengeschäft werden Bin-Laden-Witze gerissen und in der Villa verzweifelt eine Beauty-Queen am Druck des Muttermonsters. JS

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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